Donald Trump und die amerikanische Politik 

 

von Ingo Hagel  

 

Da steht also dieser nette Herr, seines Zeichens „Direktor für Politikplanung des US-Außenministeriums“ (ab 0:00) –

bei dem man irgendwie so das besorgte Gefühl bekommen kann, dass er sich schon bei leichten  körperlichen Arbeiten wie dem Schieben eines Rasenmähers über die Kleinparzelle seines Vorgarten schwer verletzen könnte –

und quasselt öffentlich irgendetwas davon, dass er dem Iran gerne die Luft abdrücken will. Nein, er sagte das natürlich sehr viel vornehmer:

Unser Ziel mit Blick auf die Energiesanktionen, ist, den Druck auf das Regime des Iran zu erhöhen, indem wir dessen Einkünfte aus Ölverkäufen auf Null reduzieren. 

 

 

Der nette Herr –

der doch irgendwie mit Blick auf wirklich praktische Tätigkeiten einen ungeschickten Eindruck und zudem einen etwas traumatisierten Eindruck macht, vielleicht, weil er von seinem Vater immer Klapse auf den Hinterkopf bekommen hat –

hatte sich aber geschworen, es seinem Alten zu zeigen und einmal ganz groß rauszukommen. Er ist nun –

wie gesagt „Direktor für Politikplanung des US-Außenministeriums“ –

geworden, und sagt mit obigem Nettem nichts anderes, als dass die amerikanische Administration dem Iran den Krieg erklärt. Der Iran hielt dagegen und

drohte im Konflikt mit den USA und Saudi-Arabien damit, den Persischen Golf zu blockieren. Washington warnte, man werde sich den Weg notfalls freischießen.

 

Es ist nicht so ganz einfach, in diesem brutalen Wirrwarr amerikanischer Politik den Überblick zu behalten.

So soll Donald Trump zum Beispiel im letzten Jahr –

und zwar immer wieder, sogar

als er mit dem kolumbianischen Präsidenten und drei anderen lateinamerikanischen Regierungschefs sprach, was zwei Regierungsarbeiter, wiederum anonym, bestätigten,

und somit dürfte diese frohe Nachricht also auch nach Venezuela und die übrige Welt eingesickert sein –

einen Einmarsch nach Venezuela angesprochen haben:

„Warum können wir da nicht einfach einmarschieren?“

Venezuela ist ein armes Land

Die Inflation in Venezuela erreicht geschätzte 388.000 Prozent: Im täglichen Leben ist Bargeld praktisch verschwunden …

obwohl es merkwürdigerweise

die Liste der Länder mit den größten Ölreserven mit weitem Abstand vor Saudi-Arabien anführt.  

 

Könnte es sein, dass Donald Trump mit Venezuela noch einmal die ausbeuterische Nummer fahren möchte, 

die Amerika und seine Chicago-Boys mit Russland in den neunziger Jahren gefahren haben –

weil sie die USA Russland als eine Tankstelle angesehen haben, die sich als Land verkleidet hat (“gas station masquerading as a country”)

bis der pöse, pöse Putin dem grausamen Spuk ein Ende bereitete?

Aber warum hängt er dann diesen Einmarsch nach Venezuela so derart an die große Glocke? Wenn ein Stratege irgendwo einmarschieren will, dann posaunt er das doch nicht vorher immer wieder laut heraus –

was natürlich auch obigen „Direktor für Politikplanung des US Außenministeriums“ betrifft -.

Oder könnte es vielleicht sogar genau andersherum sein, dass nämlich Donald Trump auf diese Weise einen Einmarsch bestimmter Fraktionen seines Militärs nach Venezuela verhindern will, indem er diese Kriegsziele laut ausplaudert?

 

Auf jeden Fall dürfte die russische Administration Trumps Gerede über Venezuela sehr wohl mitbekommen haben.

Sehr erfreut werden sie darüber aber nicht gewesen sein:

Seit fünf Jahren haben Russland und Venezuela mehr als 250 bilaterale Verträge abgeschlossen und dabei geht es viel um das Öl. Nach dem Motto: Russland investiert und transferiert Technologie, bekommt dafür Öl, und außerdem gibt Russland den Chavisten Rückendeckung im Kampf gegen US-amerikanische Imperialisten.

Und:

Venezuela und Russland vertiefen militärische Zusammenarbeit

Einige Fraktionen in der amerikanischen Administration dürften aber auch so langsam mitbekommen haben, mit wem sie sich da anlegen:

 

Und so gibt diese ganz offiziell und sicher nicht aus Versehen bei einem Treffen mit dem russischen Außenminister Lawrow ihre Einsicht zu erkennen, dass Russland – wieder – eine Supermacht ist:

Trotz der belasteten Beziehungen zwischen Moskau und Washington müssen die USA Russland als eine Supermacht ansehen und den Dialog suchen, sagte der Leiter einer Delegation von amerikanischen Parlamentariern nach einem Treffen mit dem russischen Außenminister Sergey Lawrow.

Despite the strained relations between Moscow and Washington, the US must see Russia as a superpower and seek dialogue, the head of a delegation of US lawmakers said after a meeting with Russian Foreign Minister Sergey Lavrov. 

 

 

Ich erinnere mich noch an den unseligen John Kornblum,

zum Beispiel amerikanischer Botschafter in Berlin, der sagte: „Die Anwendung der soft powers in der Außenpolitik der EU konnte nur in Verbindung mit den amerikanischen hard powers erfolgreich sein. Außenpolitik muss teilweise immer mit militärischen Mitteln gemacht werden“

im deutschen Fernsehen vor ein paar Jahren, der sagte, Russland sei nur eine Regionalmacht. Nun, so ändern sich die Dinge. Dass Amerika als Kriegsmacht am Ende des bisher gewohnten Weges angekommen ist und kollabiert ist, das ist an vielen Stellen zu lesen. Siehe dazu – nur zum Beispiel – hier:

… die Frage ist nicht, ob das US-Imperium am zusammenbrechen ist, sondern was die Konsequenzen dieses Zusammenbruch für unseren Planeten sein werden. Im Moment hat sich das US-Militär in eine „hohle Macht“ gewandelt, die einfach ihren Auftrag nicht ausführen kann, besonders mit Blick auf jenen Auftrag, wie er von US-Politikern formuliert wird: die ganze Welt zu kontrollieren.

… the question is not whether the US Empire is collapsing, but what the consequences of this collapse will be for our planet. Right now, the US military has turned into a “hollow force” which simply cannot perform its mission, especially since that mission is, as defined by US politicians, the control of the entire planet.

Zu dem, was Donald Trump an verwirrend erscheinenden Wegen mit Blick auf eine Konsolidierung der amerikanischen Verhältnisse einschlägt, ist in den deutschen Mainstreammedien nichts Erhellendes zu lesen.

 

Etwas Erhellendes findet sich aber – zum Beispiel – hier in einem Artikel von Thierry Meyssan.

Das Ziel von Donald Trump ist daher, sowohl das transnationale Kapital in die US-Wirtschaft zu reinvestieren, als auch das Pentagon und die CIA von ihrer gegenwärtigen imperialistischen Funktion abzubringen und auf die Landesverteidigung zu beschränken. Um dies zu tun, muss er sich von den internationalen Handelsverträgen zurückziehen und die zwischenstaatlichen Strukturen, die die alte Ordnung festlegen, auflösen.

Aber auch das könnte Vielen sehr verwirrend und hypothetisch erscheinen. Und ob das nun alles so stimmt und eintrifft, wird man wohl mit Sicherheit erst sagen können, wenn wir am Ende diese Entwicklungen angekommen sein werden. Trotzdem sind Thierry Meyssans Darstellungen verdienstvoll und sollten durchaus im Auge behalten werden.

 

Aber die Frage bleibt doch, wie wir uns denn nun selber zu all diesen chaotisch erscheinenden Entwicklungen und Perspektiven stellen sollen.

Es werden heute so viele Theorien –

und auch sehr interessante und wichtige Theorien –

gebildet, dass man völlig den Horizont verlieren kann, wo es denn nun eigentlich hinzugehen hat. Diesbezüglich ist es ebenfalls bemerkenswert, was Thierry Meyssan schrieb:

Donald Trump wurde zum Präsidenten der Vereinigten Staaten gewählt, weil er versprach, zu der ursprünglichen Form des Kapitalismus zurückkehren zu wollen, zum „amerikanischen Traum“ durch freien Wettbewerb. 

Man kann sicherlich mit Lenin im Voraus sagen, dass diese Wiederherstellung nicht möglich ist, aber der neue Präsident hat doch diesen Weg eingeschlagen.

Denn in der Tat kann man durchaus der Auffassung sein, dass eine Rückkehr zum „amerikanischen Traum“ durch die alte Form des sogenannten „freien Wettbewerbs“ niemals mehr möglich sein wird, weil in der Zukunft nur die neue Wirtschaftsform einer Sozialen Dreigliederung zu irgendetwas Gedeihlichen wird führen können. Aber dazu gehört nicht nur die Wirtschaft beziehungsweise die „ursprüngliche Form des Kapitalismus“, sondern auch ein souveränes, von der Wirtschaft unabhängiges Rechtsleben und ein wirklich freies Geistesleben (mehr zur Sozialen Dreigliederung zum Beispiel hier und hier und hier – sowie an vielen anderen Stellen auf Umkreis-Online).

 

Solange diese Dreigliederung eines sozialen Organismus nicht in ihrer Bedeutung erkannt und umgesetzt wird, 

solange mag in der Welt das eine oder das andere geschehen oder sich abzeichnen: Es wird sich bestenfalls um einen Zeitaufschub handeln, um diese Soziale Dreigliederung dann schließlich doch noch umsetzen zu können. Zu diesem Zeitaufschub gehört durchaus, dass im Osten Putin bis jetzt den Dritten Weltkrieg hat verhindern können. Zu diesem Zeitaufschub gehört auch, dass im Westen Donald Trump –

vielleicht, so verwirrend wie die Dinge aussehen –

einen Kampf gegen die eigene neokonservative Fraktion des eigenen Tiefen Staates in Amerika führt, dass er wirklich und unter großen medialen Verrenkungen versucht, Amerika aus den Klauen eines transnationalen Globalismus zu entreißen – dem Amerika als Land völlig egal ist – und dadurch ebenfalls der Welt einen Zeitaufschub schenkt.

Die Mitte aber zwischen dem Osten und im Westen – schläft.

Wenn dieser Zeitaufschub jedoch nicht in der richtigen Weise für eine Soziale Dreigliederung genutzt wird, dann wird es auf längere Sicht nichts Gutes sein, was der Welt in Aussicht steht.

 

 

 

 

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Donald Trump und die amerikanische Politik  wurde am 09.07.2018 unter Zum Zeitgeschehen veröffentlicht.

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