Die naturwissenschaftliche Weltanschauung darf nicht die allein existierende und zugelassene Denkweise bleiben 

  

von Ingo Hagel

 

Viele Leute sind der Ansicht, Umkreis-Online liege nicht im „Trend der Zeit“. Siehe dazu auch hier auf Umkreis-Online. Was liegt weiter noch im sogenannten „Trend der Zeit“?

Im „Trend der Zeit“ liegt es weiterhin, dass die Kräfte des Verstandes 

immer weiter in den Verfall kommen werden, wenn der Mensch nicht bewusst und aus eigener Anstrengung heraus etwas dagegen tut.

Und damit komme ich zu einem weiteren grundsätzlichen „Trend der Zeit“, der darin liegt, dass unsere „Experten“ sich selbst bei den geistigsten Angelegenheiten –

wozu ja eigentlich die Literatur, jedenfalls Einiges aus der älteren Literatur zu zählen ist – die ja substantiell einfach nur aus Druckerschwärze auf Papier besteht, wenn man diese dumpfen Erdenstoff nicht in seiner besonderen Konfiguration der Buchstaben geistig, das heißt begrifflich zu lesen weiß –

sich weigern, diesen damals einmal eingeschlagenen und initiierten Geist weiter zu verfolgen.

 

Völlig im „Trend der Zeit“ liegt es daher auch, wenn der Vorstandsvorsitzende der Goethe-Gesellschaft in Köln

ratlos vor Goethes Impuls der Urpflanze steht und vor sich hin sinniert (ab 41:45):

In gewissem Sinne verließ  auch der Naturforscher Goethe den Boden der Naturmystik nie, und für den jungen wie für den alten Goethe war Unglaube  problematischer als Aberglaube.  …  Goethes Position ist nicht widerspruchsfrei – sie ist, wenn man so will, dialektisch  …  Und was bitteschön hat seine beharrliche Suche nach der Urpflanze mit moderner Naturwissenschaft zu tun –  ist sie nicht eher ein Spleen in der Tradition der angeblich von ihm überwundenen Naturspekulation?

Wir atmen auf und sind sehr erleichtert, dass der Vorstandsvorsitzende der Goethe-Gesellschaft dann doch nicht ganz unverblümt die Frage stellte, die ihm doch irgendwie auf der Zunge gelegen haben muss:

War Goethe ein Scharlatan?

 

 

 

Natürlich haben diese Leute, die da voll im „Trend der Zeit“ liegen, 

keine Ahnung davon, was wirklich im Trend dieser Zeit liegt: Nämlich „die Sehnsucht, wiederum das Lebendige zu erkennen. Rudolf Steiner dazu:

Ebenso intensiv wird entstehen, je weiter wir der Zukunft entgegengehen, die Sehnsucht, wiederum das Lebendige zu erkennen. Aber man wird dieses Lebendige nicht durch die gewöhnliche Intelligenz, die an den Leichnam gebunden ist, erkennen. Es wird mancherlei notwendig sein, damit der Mensch, der verloren hat die Möglichkeit, auf lebendige Art in die Welt einzudringen, wiederum in solcher Weise in die Welt kommt. Man muss heute schon wissen, was der Mensch eigentlich alles verloren hat.

Diese Sehnsucht wird allerdings an unseren heutigen Hochschulen, die dem jungen erwachsenen Menschen, der vielleicht etwas erkennen will –

die Meisten wollen aber einfach nur einen Job – den es aber immer weniger geben wird (siehe dazu hier auf Umkreis-Online in der Rubrik zum Trend der Zeit – nur zum Beispiel – den Artikel zum „Ende der Mittelschicht“) –

etwas beibringen wollen, nicht befriedigt.

 

Goethe wollte auch ganz sicher keine „Naturspekulation„, 

sondern die Wahrnehmung des Tatsächlichen, wozu aber eben auch die Ideen gehören. Und seine Urpflanze ist kein „Spleen„, wie der Vorsitzende der Goethe-Gesellschaft glaubt, sondern im Bereich dieser lebendigen Ideen die Wahrnehmung dessen, was als lebendige Kraft dem Organischen, also zum Beispiel der Pflanze, zugrunde liegt.

Und weder der „junge“ noch der „alte Goethe“ wollte im althergebrachten Sinne „glauben„, das heißt sich mit ausgeschaltetem Denken unter die Dogmatik und irdische Macht des konventionellen Kirchenchristentums stellen, noch wollte er irgendeine verschwiemelte „Naturmystik“ –

als die Alles angesehen wird von unserer heutigen sogenannten „modernen“ naturwissenschaftlichen  Gelehrsamkeit, was in seiner Gedankenbildung über das sinnlich Gegebene hinausgeht, weil diese offizielle Gelehrsamkeit nichts anderes anerkennen kann als nur das Tote, und die von einem geistigen Impuls und Streben nichts versteht, selbst dann nicht, wenn er in das helle Licht des Bewusstseins gestellt wird – und dann Goetheanismus oder Anthroposophie heißt – und der von Jedem verstanden werden kann, der nur genügend Denkwillen in sich trägt –

sondern er wollte das Göttliche, das auch in der Natur lebt und webt, erfahren. Aber eben nicht als konfessionellen „Glauben“ oder „Aberglauben„, sondern als höhere Erfahrung in dem, was der Mensch sonst Erfahrung nennt. Goethe war eben durchaus

der charakteristische Mensch … für dieses Suchen der Pflanzenerkenntnis. Das ist Goethe. Denn indem er entgegen aller äußeren Wissenschaft vom Toten herangegangen ist an das Lebendige, an die Metamorphose, an das Werden der Pflanzen, war er der Mann des fünften nachatlantischen Zeitraums (also unserer heutigen sogenannten „modernen“ Zeit; Anmerkung IH) in seinen elementarischen Anfängen.

 

Man könne sich dem „Trend der Zeit“ nicht entgegenstemmen, sagen die Leute.

Nein, man muss sich ihm entgegenstemmen, sonst folgt eben dieser „Trend der Zeit“ immer weiter den in ihm liegenden Kräften des Stoffes, und die Gesellschaften und ihre Menschen gehen in den Niedergang hinein. So gibt es eben heute verschiedene Strömungen. Auf der einen Seite muss man sehen, dass man in dieser sterbenden Kultur geistig und materiell nicht untergeht –

was in der Zukunft wohl immer schwieriger werden wird. –

Auf der anderen Seite muss man dafür sorgen, dass neue Strömungen sich entwickeln. Rudolf Steiner dazu:

Wir sind heute durch die besondere Konfiguration unserer Kultur genötigt, gewissermaßen unorganisch nebeneinanderher laufen zu lassen die verschiedenen Strömungen unserer Weltanschauung. Denken Sie nur einmal, wie unorganisch nebeneinanderher laufen oftmals die religiösen Weltanschauungen eines Menschen und die naturwissenschaftliche Weltanschauung. Mancher Mensch hat die eine und die andere; aber er schlägt keine Brücke. Ja, er hat eine gewisse Scheu davor, eine gewisse Angst davor, eine Brücke zu schlagen. Und das müssen wir uns schon klar machen: so kann es nicht bleiben.

 

Die naturwissenschaftliche Weltanschauung darf nicht die allein existierende und zugelassene Denkweise bleiben. 

Sie wird es aber bleiben, wenn die Menschen sich weiterhin weigern, ihr Denken zu aktivieren. Ein Denken nur an den Sinnesdingen entlang und keinen Schritt darüber hinaus ist aber kein wirkliches Denken. –

Mehr zu dem Thema zum Beispiel hier auf Umkreis-Online in der Rubrik zur „Philosophie der Freiheit“ Rudolf Steiners sowie zum Beispiel in der Rubrik Wissenschaft.

Eine allein auf der Sinnesbeobachtung beruhende Wissenschaft muss – besonders in der heutigen Zeit – pervers genannt werden. Aber leider ist es eben heute so, dass das Denken allerweitester Bevölkerungsschichten genährt ist

von den perversen wissenschaftlichen und sonstigen Auseinandersetzungen der letzten Jahrhunderte  …  

Es ist heute eben so,

dass das Denken, das klare Denken  …  für den Menschen eine ungeheuer viel größere Bedeutung gewonnen hat, als das früher der Fall war. Es gab eben keine Zeit der Menschheitsentwickelung, in der, wenn man auf innere Notwendigkeiten dieser Menschheitsentwickelung blickt, man sagen muss, klares Denken ist so notwendig, wie nur irgend notwendig sein kann Essen und Trinken zur Unterhaltung des physischen Lebens. (GA 178 S. 107)

Aber:

Es muss das schon eintreten, dass sich Menschen die Unbequemlichkeit auferlegen, nicht bloß so zu denken, wie es den sogenannten heutigen Gebildeten die Hochschulen vermitteln; es muss eine Zeit eintreten, in der eine Anzahl von Menschen sich bereit erklärt, solch eine unbequeme Weltanschauung auf sich zu nehmen, die ihre Richtungen, ihre Begriffe, ihre Ideen aus der geistigen Welt herausholt. Denn die Menschheit darf nicht in jenem Schlafzustande bleiben, in welchem sie bleiben will mit den abstrakten, allgemeinen Begriffen, nach denen das materialistische Zeitalter strebt und sie dann edel nennt.  (GA 178 S. 91)

 

  

 

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Die naturwissenschaftliche Weltanschauung darf nicht die allein existierende und zugelassene Denkweise bleiben  wurde am 23.09.2020 unter Allgemein veröffentlicht.

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