Die Arbeiter von vor 120 Jahren, alles „durch die Bank organisierte Sozialdemokraten“, waren durchaus weltanschaulich interessierte und gedankenkräftige Menschen

 

von Ingo Hagel

  

Im ersten Teil dieses Artikels machte der hellblickende Saker doch so einige kritische Anmerkungen zu dieser westlichen Zivilisation und ihrer Zukunft. Der zweite Teil dieses Artikels beschrieb den geistigen Schlaf der Menschen in Deutschland, hervorgerufen durch das exquisite Barbiturat eines „bestens“ funktionierenden Wirtschaftslebens. Der dritte Teil warf einiges Licht auf die Stimmungslage der Alkoholiker oder Fast-Alkoholiker, der Koksenden sowie Schmerz – und Aufputschmittel Nehmenden in Deutschland, denen es ganz offensichtlich wohl doch nicht so gut geht, wie die Politiker es sagen. Der vierte Artikel behandelte die Frage, dass das, was im Menschen auf der Grundlage des reinen Denkens als Geist erscheint, nicht mit Wachstum und Aufbau der Materie, sondern mit deren Abbau zu tun hat. Der fünfte Teil dieser Artikelserie ging auf einige weitere Aspekte des reinen Denkens ein.

Heute sagen die Leute, das sei doch alles viel zu schwer und nicht zu verstehen. Die Arbeiter von vor 120 Jahren, „durch die Bank organisierte Sozialdemokraten“, dachten darüber jedoch ganz anders.

 

Und man muss sich dabei nur einmal an das schwere Leben dieser Menschen von vor über 120 Jahren zu erinnern.

Die ersten Eindrücke eines Arbeitssuchenden im Berlin der Kaiserzeit beschrieb Heinrich Zille bei (4:14): 

 

 

Es war ein trüber nasser Novemberabend, als meine Mutter mit mir in Berlin ankam, ein langer Weg vom Anhalter Bahnhof bis zum Osten Berlins. Enge turmhohe Gemäuer, von Lärm erfüllte Gassen, hohe Mietskasernen mit schmalen unbelüfteten Treppen. Elende Zufluchtsorte ohne Luft und Sonne. Hier entwickelt sich das Leben Abertausender. Eine Welt für sich, die man bekämpft, aber nicht heilt.  

Bei 05:24:

Früh morgens in der blauen Bluse und der Blechkanne voll Kaffee unter dem Arm trabte ich meiner Arbeitsstätte in Berlin entgegen. Der Weg war eineinhalb Stunden lang, und ich lief ihn fünf Jahre lang, weil ich die 60 Pfennig die damals eine Arbeiterwochenkarte kostete, sparen wollte. Hart war das Los der berliner Fabrikarbeiter. Um sieben Uhr früh begann man in den Fabriken, und abends um sieben war Schluss. 

Sprecher bei 6:00:

Der Lohn reichte kaum zum Existenzminimum. der Arbeiter war jederzeit kündbar, und eine Arbeitslosenunterstützung gab es nicht. Die maschinelle Serienfertigung bei AEG,  Siemens, Borsig oder Schultheiß verleidete Vielen die Arbeit.

Eine Arbeiterin schrieb damals:

Die Jahre vergingen, ohne dass man merkte, dass man jung war, und ohne dass das Leben einem etwas gegeben hätte. Schließlich hatte auch ich etwas anderes vom Leben erhofft. Ich habe manchmal das Leben so satt gehabt, so Jahr um Jahr an der Maschine. Das Leben hatte gar keinen Wert. Man war nur eine Arbeitsmaschine und hatte keine Zukunftsaussichten, und von dem Schönen in der Welt sah und hörte man nichts, davon war man einfach ausgeschlossen.   

 

Man hat heute keine Ahnung mehr, in welchem Maße damals diese „einfachen“ Menschen 

sich durch die Schriften und Gedanken von Karl Marx, der ein Schüler Hegels und damit auch ein Schüler des reinen Denkens von Hegel war, denkerisch geschult hatten. Ich bin weit davon entfernt zu sagen, dass man auch heute sich wieder an Karl Marx oder Hegel schulen soll. Ich möchte nur in Erinnerung bringen, was damals vor langer Zeit einfache, ungebildete und denkerisch scheinbar unbedarfte Menschen sich damit mit einem starkem Willen beschäftigt hatten, da so viele Leute heute sagen, die Ideen der Sozialen Dreigliederung Rudolf Steiners (mehr dazu zum Beispiel hier und hier und hier – sowie an vielen anderen Stellen auf Umkreis-Online), die in ihrer zentralen Schriften durch aus im reinen Denken formuliert wurden sind –

siehe dazu zum Beispiel hier: Kapitalismus und soziale Ideen (Kapital, Menschenarbeit)

seien doch überhaupt nicht zu verstehen. Rudolf Steiner, der von 1899-1904 Lehrer an der 1891 von dem Sozialdemokraten Wilhelm Liebknecht (1826-1900) begründeten Arbeiterbildungsschule in Berlin war, sagte dazu:

Nun, ich habe öfter erwähnt, dass es ja sehr gut ginge, in die Arbeiterschaft geistiges Leben hineinzubringen.  …  Die Zuhörer waren nicht Menschen aus den «gewöhnlichen bürgerlichen Liberalen», sondern lediglich Arbeiter, lediglich aus den Kreisen der Proletarier und durch die Bank organisierte Sozialdemokraten!

Warum sollte heute nicht mehr möglich sein, was damals möglich war? In welchen vergleichsweise goldenen Zeiten leben wir heute mit Blick auf die Befreiung des Menschen aus diesem oben geschilderten täglichen Arbeitskampf, der die geistigen Kräfte des Menschen fast völlig an die Maschine und in die Arbeit bannte!

 

Die Leute glauben, diese frühe Art der Ausbeutung sei doch heute überwunden, 

und das alles habe nichts mehr mit den heutigen politischen Verhältnissen zu tun? Man irrt sich, und vor allen Dingen irrt man sich, wenn man glaubt, diese Dinge seien für Deutschland undenkbar. Ich übersetze mal – ist natürlich von der Seite des Sakers:

Frankreich hat den Rap (Horror, was für ein Horror!), aber sie sind nicht vorbereitet auf den 401k-Kapitalismus (siehe dazu zum Beispiel hier und hier; Anmerkung IH). Jedoch begann das Jahr 2018 mit Belobigungen der BBC, des Economist und vielen anderen Kapitalisten/Imperialisten für die entschlossene Route, die Macron bereits eingeschlagen hat und immer weiter verfolgen wird. Ich fasse mal schnell seinen cleveren und ganz offensichtlich hinterhältigen Plan zusammen: Zuerst wird die Arbeitsgesetzgebung ausgeweidet, das macht Deinen Job riskanter und weniger begehrenswert. Und dann wird das Arbeitslosensystem ausgeweidet, und damit Dein Anreiz vernichtet, Deinen immer stärker sich als lausig herausstellenden Job zu kündigen. Schaffe hirnlose, isolierte, miniatur-kapitalistische Sklaven, die an ihre Maschine gekettet sind …  Und dann beobachte man, wie die Profite ansteigen. 

Wie sagte doch Rudolf Steiner dazu: 

Demgegenüber kann man nur sagen: Wenn nur die äußeren materialistischen Impulse wirken in der Welt und in den Menschenköpfen und in den Menschenherzen, dann wird es so werden! Dann wird mit einer furchtbaren Sklavenkette wahrhaftig nicht nur Deutschland und die Mittelländer und Russland, sondern die ganze zivilisierte Erde wird nach und nach mit furchtbaren Sklavenketten umgürtet werden und niemals wieder froh werden. Denn durch dasjenige, was nur von altersher heraufkommt, ist die Welt an einem Ende! Neues kommt nicht daher. Neues muss kommen aus der geistigen Welt. Aber es kommt nicht, wenn der Mensch sich ihm nicht nahen will, wenn der Mensch nicht in freiem Willen es aufnehmen will. Rettung kann nur kommen, wenn Menschenseelen sich finden, die dem Geist entgegengehen, …   

Und das wird man auf sozialem Gebiet eben nur, wenn man sich die (reinen) Ideen der Sozialen Dreigliederung erarbeiten und diese umsetzen wird.

 

 

 

Inhaltsverzeichnis dieser Artikelserie:

Der Saker zur Lage der westlichen Zivilisation

„Die Welt war noch nie so gut wie heute!“

Es werde Licht! – Die Stimmungsaufheller

Eine Signatur dieser Bewusstseinsepoche der Menschheit    

Diese Erarbeitung des reinen Denkens ist natürlich ein anstrengender Prozess der Selbstüberwindung

Die Arbeiter von vor 120 Jahren, alles „durch die Bank organisierte Sozialdemokraten“, waren durchaus weltanschaulich interessierte und gedankenkräftige Menschen

Das „gut und gerne“-Deutschland und die notwendigen Niedergangserscheinungen der Zeit und der westlichen Kulturen 

Damals sagte Oswald Spengler den Untergang des Abendlandes voraus. Heute ist es der Saker. 

 

 

 

 

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Die Arbeiter von vor 120 Jahren, alles „durch die Bank organisierte Sozialdemokraten“, waren durchaus weltanschaulich interessierte und gedankenkräftige Menschen wurde am 27.01.2018 unter Zum Zeitgeschehen veröffentlicht.

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