Ohne Geld keine Revolution?

 

von Ingo Hagel 

 

Auf das verdienstvolle Interview, das Ken Jebsen mit Gerhard Wisnewski anlässlich der 10. Veröffentlichung in dessen Buchreihe: „Verheimlicht, vertuscht, vergessen – 2017″ führte, habe ich bereits hier hingewiesen. 

 

 

In diesem Clip sprechen Ken Jebsen und Gerhard Wisnewski auch über die Frage, warum es in vergangenen Jahrzehnten so große soziale Proteste gegeben hat, und warum das heute so schwer zu Wege zu bringen ist:

Ken Jebsen (bei 1:10:10): Also würden Sie sagen, der Erfolg damals war nicht darin begründet, dass alle politisch waren, sondern dass man es organisiert hat?

Gerhard Wisnewski: Ohne Geld und Organisation gibt‘s keine Revolution. Und das trifft für alle Revolutionen zu. Umgekehrt: Mit ganz viel Geld und ganz viel Organisation gibt’s ganz viel Revolution, wie George Soros bewiesen hat. Da gibt’s ganz viele bunte Revolutionen. Aber ohne Geld und ohne Organisationen und ohne Gewerkschaften gibt’s keine Friedensbewegung, gibt’s auch keine Arbeiterbewegung, gar nichts. Die Gewerkschaften haben daran überhaupt kein Interesse. Das sind für mich Papiertiger. 

Dass die Gewerkschaften heute nur noch Papiertiger sind – denen man noch dazu pfundweise Beruhigungsmittel ins Futter gestreut hat (Anmerkung IH) – ist zutreffend.

Dass man mit „ganz viel Geld“ „ganz viele bunte Revolutionen“ nach dem Muster von George Soros anzetteln kann, das ist ebenfalls zutreffend.

Aber dass es „ohne Geld“ zu gar keinen sozialen Protestbewegungen kommt, das trifft nicht zu. Denn da wären zuerst einmal die unabhängigen Medien des Internets zu nennen, zu denen Gerhard Wisnewski selber – als Buchautor nicht nur, aber –  auch gehört. 

Was in den letzten Jahren auf den verschiedensten sozialen Gebieten und Themen als eine nicht zu vernachlässigende Unterströmung in Bewegung gekommen ist, 

geht vor allem auf das Konto dieser unabhängigen Medien des Internets, die in der Welt ihre verdienstvolle Arbeit leisten – und zwar ohne Geld. Da gärt und entwickelt sich etwas langsam von unten herauf, von dem noch nicht entschieden ist, was es mal werden wird. Aber es ist da.

Auf die Problematik dieser Angelegenheit, das heißt auf das Faktum, dass diese unabhängigen Medien des Internets ihre freie Arbeit leisten, dann aber meistens von ihren Lesern – in aller Freiheit natürlich – finanziell im Regen stehengelassen werden, darüber habe ich hier auf Umkreis-Online in der Rubrik Finanzierung des freien Geisteslebens so oft berichtet, dass es einigen meiner Leser wohl bereits zum Hals raushängt. Aber egal. Hervorzuheben ist mit Blick auf die obige Aussage von Gerhard Wisnewski, dass diese unabhängigen Medien des Internets diese Arbeit freiwillig und in den meisten Fällen ohne Geld ihrer Leser geleistet haben. Und darauf kommt es an.

 

Es wäre auch sehr schlimm, wenn es anders wäre. Denn hier steht Geist gegen Geld.

Selbstverständlich kann man letztendlich die physische Grundlage des Geistes, die sich aus lebenden Menschen entwickeln und kundtun muss, totschlagen, wenn man dieser die Basis entzieht – und die besteht nun mal aus Geld, um sein Leben in dieser physischen Welt fristen zu können. Aber zu behaupten, ohne Geld gäbe es keinen Geist –

Gerhard Wisnewski: Ohne Geld und Organisation gibt es halt keine Revolution

das ist natürlich – ohne alle die Einschränkungen und Einwendungen gelten machen zu wollen, die ich hier aufführe – reiner Materialismus. Was ist von einem Geist, was ist von einem Streben nach Wahrheit und Freiheit zu halten, die nur arbeiten, wenn sie dafür bezahlt werden, und ansonsten sofort alle Viere von sich strecken, weil sie zum Jagen getragen werden müssen?

 

Wir wollen hoffen, dass doch in der nächsten Zeit, in der es den Menschen von ihrer Lebensgrundlage her noch so einigermaßen gut geht – 

Gerhard Wisnewski: Den meisten geht es wirklich noch sehr, sehr gut …)

Einsicht in die Menschen einziehen wird, dass diese sich Einsicht aneignen werden, auch für die Notwendigkeit eines  unabhängigen und freien Geisteslebens, das heißt eines geistigen Lebens, das aus sich heraus lebt und arbeitet und wirkt – und nicht, weil es dafür bezahlt wird. Dass dieses ohne eine – aus freier Einsicht erfolgende – Bezahlung es sehr schwer haben wird, das ist klar – das ist aber kein Widerspruch.

 

Wollen wir also hoffen, dass es in der nächsten Zeit genügend Menschen geben wird, 

die aufgrund ihrer Entwicklung hin zu einer freien, selbstständigen und starken Persönlichkeit in der Lage sein werden, einzusehen, dass es neben diesem freien Geistesleben ein unabhängiges Wirtschaftsleben geben muss, das nicht mehr seine Direktiven von der Politik empfängt, sowie ein unabhängiges Rechtsleben (Politik), das nicht mehr von den Wirtschaftslobbyisten unterwandert ist und gelenkt wird.

Wollen wir also hoffen, dass es in der nächsten Zeit doch noch genügend Menschen geben wird, die das einsehen werden, was Rudolf Steiner immer wieder als Soziale Dreigliederung beschrieben hat (mehr dazu zum Beispiel hier und hier und hier – sowie an vielen anderen Stellen auf Umkreis-Online).  

Denn ohne diese Soziale Dreigliederung wird es tatsächlich die von Gerhard Wisnewski genannten Revolutionen geben. 

Um diese herbeizuführen, dafür wird es dann auch gar kein Geld benötigen. Ohne Einsicht in diese Notwendigkeit einer Dreigliederung des sozialen Organismus werden die Revolutionen, Zusammenbrüche und Umwälzungen von ganz alleine kommen: 

Rudolf Steiner: Denn diese Dinge, die ich angegeben habe, werden kommen: entweder, wenn sich die Menschen dazu bequemen, durch menschliche Vernunft, oder, wenn sie sich nicht dazu bequemen, durch Kataklysmen, durch Revolutionen. 

Siehe dazu auch hier:

Rudolf Steiner: Die Soziale Dreigliederung drückt das unbewusste Wollen der europäischen Menschheit aus – Sie muss das bestehende soziale Chaos ersetzen, sonst drohen Zusammenbrüche und Revolutionen

 

 

 

 

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Ohne Geld keine Revolution? wurde am 29.03.2017 unter Zum Zeitgeschehen veröffentlicht.

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