„Shoppen und Ficken“ in den „entwickelten Ländern“

 

von Ingo Hagel

 

Kürzlich hob Ken Jebsen anerkennend Willy Wimmer hervor, der sich mit Wladimir Putin in St. Petersburg getroffen hatte und der – abseits vom heruntergekommenen politischen Mainstream hier in Deutschland – statt der dummen Russlandsanktionen gute und konstruktive Beziehungen mit Russland anstrebt. 

Selbstverständlich ist das verdienstvoll, und ich hoffe, dass dieses positive Beispiel, das Willy Wimmer hier gibt, ansteckend und beispielgebend auf seine diversen Politikerkollegen wirkt, auch wenn Wimmer deren Charakter als schwach und zweifelhaft einschätzt.

Und selbstverständlich hoffe ich, dass es immer mehr Medien (und Menschen) geben möge, die dem positiven Beispiel der aufklärenden Berichterstattung von Ken Jebsen folgen.

Und schließlich kann man nur hoffen, dass aus dem Schmerz ein neues Bewusstsein entstehen möge, dass also auch immer mehr Menschen aus der deutschen Wirtschaft begreifen, dass sie von einer völlig unfähigen Regierung beziehungsweise einer nicht mehr zeitgemäßen Regierungsform immer weiter ruiniert werden. Sicher ist es schon mal positiv, wenn die deutsche Wirtschaft eine Aufhebung der katastrophalen Sanktionen gegen Russland fordert:

Deutsche Wirtschaft fordert Ende der Russland-Sanktionen

Die deutsche Wirtschaft fordert eine neue Strategie des Westens gegenüber dem Kreml. Die Sanktionen gegen Russland haben zu Milliardeneinbußen geführt. Die Handelsbeschränkungen müssten deshalb deutlich früher als geplant gelockert werden.

Aber das wird nichts nützen, so lange „die deutsche Wirtschaft“ an nichts anderes denken kann als diese „Milliardeneinbußen“. Solange man nicht begriffen hat, dass es keinen Sinn macht, Bitte-Bitte-Petitionen an die Regierung zu senden in dieser und in anderen Angelegenheiten, sondern energisch auf eine Trennung von Politik und Wirtschaft hinzuarbeiten – und ein freies Geistesleben zu installieren und zu unterstützen – so lange wird es in diesen Angelegenheiten nichts Heilsames geben. Macht Euch selbständig, Ihr freien Unternehmer und Mitarbeiter der deutschen Wirtschaft! Mehr zur Sozialen Dreigliederung zum Beispiel hier und hier und hier auf Umkreis-Online.

 

So berechtigt die Kritik von Willy Wimmer im Einzelnen und sein positives Beispiel anerkennenswert ist, 

so deutlich muss man in dieser sich täglich steigernden Situation der Not doch auch darauf hinweisen, dass die Bemühung, zu alten „besseren“ politischen Verhältnissen zurückzukehren, die Not nicht verringern kann. Christoph Hörstel hatte gerade eben auf dieses Problem hingewiesen:

Christoph Hörstel: Das Problem mit Willy Wimmer: schon wieder eine unbegründete Hoffnung gutgläubiger Menschen

…. Wenn nun jemand schöne Reden hält, gute und richtige Dinge sagt und damit Hoffnungen in den Menschen weckt, OHNE sein eigene Position zu diesen Zuständen zu erläutern – geschweige denn, wie er sie überwinden will, so ist dies bestenfalls unglaubwürdig oder unseriös. Keinesfalls ist eine solche Persönlichkeit geeignet, die notwendigen Dinge tatsächlich zu tun. 

Siehe zu dieser Problematik auch diesen Abschnitt hier auf Umkreis-Online aus einem Artikel vom Dezember 2015:

Leider gehört es zu den traurigen und beunruhigenden Erscheinungen der heutigen Zeit, dass selbst diejenigen, die – höchst berechtigte, notwendige und daher höchst willkommene – Kritik an dem bestehenden bankrotten System äußern, nicht weiterkommen als bis zu dieser Kritik.

….

Wimmer glaubt also, dass man trotz dieser katastrophalen Erodierung und Korrumpierung der alten Rechtsverhältnisse – die er selber gut schildert – wieder zu diesen alten rechtlichen Gepflogenheiten zurückkehren könne. Je mehr Menschen Wimmer in diesem Glauben an eine Rückkehr zu diesem bankrotten alten Einheitsstaat beipflichten werden, desto rascher wird sich der weitere Niedergang Deutschlands vollziehen.

 

Rudolf Steiner bemerkte einmal dazu (Hervorhebung IH):

Alles liegt heute an der Einsicht, dass es auf den Geist ankommt, der innerhalb der europäisch-amerikanischen Kultur verborgen ist, den man flieht, den man aus Bequemlichkeit nicht haben will, der aber doch einzig und allein die Menschheit zu Aufgangskräften führen kann. Man möchte sich eben den Nebel vor die Augen machen, indem man sich immer wieder und wiederum sagen will: Es werden schon die Zeiten von selber besser werden. – Nein, die Stunde der großen Entscheidung ist da. Entweder werden sich die Menschen entschließen, die Spiritualität zu heben, von der ich eben gesprochen habe, oder der Untergang des Abendlandes ist sicher. Kein Hoffen, kein fatalistisches Ersehnen eines von selbst kommenden Besseren kann helfen. Die Menschheit ist einmal in die Epoche der freien Benützung ihrer Kräfte eingetreten, und die Menschheit muss diese freien Kräfte wirklich handhaben. Das heißt, die Menschheit muss selber entscheiden, ob sie die Spiritualität haben will, oder ob sie sie nicht haben will. Wird sie sie haben wollen, dann wird ein Fortschritt der Menschheit möglich sein. Wird sie sie nicht haben wollen, dann ist der Untergang des Abendlandes besiegelt, dann wird unter den furchtbarsten Katastrophen eine ganz andere Fortentwickelung der Menschheit stattfinden müssen, als sich viele heute träumen lassen.

Auf sozialem Gebiet gehört zu dieser Spiritualisierung natürlich die Soziale Dreigliederung, die nichts anderes darstellt als

„in äußerliche Formen gekleidete geistige Offenbarungen.“

Mehr zur Sozialen Dreigliederung zum Beispiel hier und hier und hier auf Umkreis-Online. An den Schwierigkeiten und dem Widerwillen der Menschen, diese geistigen Offenbarungen aufzunehmen und zu realisieren, kann man ermessen, wie weit man von dieser Spiritualisierung des Abendlandes, die Rudolf Steiner anspricht, noch entfernt ist.

 

Die Leute, die von einem bestimmten „Stich ins Höhere“ erfasst sind, können sich unter einer Spiritualisierung oft nur etwas vorstellen, 

wo Engel zu einem sprechen, jemand über das Wasser läuft oder wenigstens ein paar Elementarwesen auftauchen. Spiritualität ist für diese Menschen nicht die Intensivierung und Stärkung des Gedankenlebens, sondern am liebsten das Aufhören jeglicher Gedankentätigkeit. Auch weil es in diesem irdischen Jammertal selbstverständlich immer ungemütlicher wird, möchte man lieber in einem träumenden, seligen, kosmischen Gefühl aufgehen und sich am liebsten in irgendeinem diffusen All auflösen. Aber um Himmels willen ist man doch nicht an Gedanken interessiert. Und schon gar nicht an diesen so schwierig erscheinenden Gedanken der Sozialen Dreigliederung, bei denen man sich so fürchterlich anstrengen muss. Rudolf Steiner gab jedoch zu bedenken:

Es ist so einfach zu verstehen, warum dieser dreigliedrige soziale Organismus notwendig ist, dass man sich eigentlich immer wundern muss, dass die Leute so viel dagegen haben. Wenn sie fragen: Wer ist offen und ehrlich zum Beispiel in der Demokratie, so ist es gerade der dreigliedrige soziale Organismus, weil er danach suchen will, wie man die Demokratie verwirklichen kann und nicht vermischen und verwirren will alles, damit keine Demokratie im Einheitsstaat sein kann.

Natürlich ahnt diese eine Gruppe der Menschen, die überhaupt kein Interesse an einer Spiritualisierung durch eine Intensivierung des Gedankenlebens haben, nicht, dass der Kosmos zuerstmal aus Gedanken besteht – und erfasst wird. Selbstverständlich aus lebendigen Gedanken, und nicht aus diesen toten Gedanken, bis zu denen sich der heutige Mensch mit seinem Intellekt (der ihm aber seine Freiheit gebracht hat, und gegen den gar nichts anderes gesagt werden soll, als nur, dass er einseitig ist) nur aufzuschwingen vermag, und die nur das tote und leibgebundene Spiegelbild dieser lebendigen kosmischen Gedanken sind. Und dass zum Erfassen dieser kosmischen Gedanken zuerst einmal eine feste und stabile eigene gedankliche Grundlage nötig ist, die erarbeitet werden muss. Denn sie ist nicht vorhanden. Die Anlage dazu ist aber auf jeden Fall vorhanden.

Die andere Gruppe von Menschen, die sehr viel zahlreicher ist heute, glaubt natürlich, dass so etwas wie Spiritualität – beziehungsweise Spiritualisierung aller Gebiete des Lebens, auch des sozialen Gebietes – so unnötig ist wie ein Kropf. Sie sind stramme Kopfdenker beziehungsweise wollen – nach klassischer naturwissenschaftlicher Methode – nur das mit dem Intellekt abbilden, was die Sinne vermitteln. Alles was darüber hinaus geht, ist definitiv No-Go-Area.

 

Als vor kurzem Ken Jebsen sich mit Anderen über den Zustand Europas unterhielt, wurde auch die Frage einer Änderung der bestehenden Herrschaftsverhältnisse diskutiert.

Ulrich Gellermann von der bekannten Rationalgalerie sagte zutreffend (bei 1:08:30):

Diese Kanzlerin ist … eine Vertreterin der Mehrheit der Bourgeoisie, der Großkonzerne, der Banken deutscher Art. 

Und (bei 1:56:55):

Und trotzdem gibt es keine ernstzunehmende große politische Bewegung von unten – wohlgemerkt –  gegen die herrschende Bürokratie und die mit ihr verbündete oder die von ihr finanzierte Oberschicht.  

 

 

Und Ulrich Gellermann sagte auch bei (1:57:30):

Was die Leute nicht selbst machen, passiert nicht. Das ist eine historische Lehre. 

Tatsächlich wies Rudolf Steiner darauf hin, dass es keine andere Lösung für diese soziale Frage gibt, als zu warten, bis sich dieses neue soziale Verständnis innerhalb des Proletariats – beziehungsweise der heutigen Arbeiterschaft- und Angestelltenschaft – an die Oberfläche gearbeitet hat:

Rudolf Steiner: …. ich habe den festen Glauben, den ich mir durch ein langes Leben unter dem Proletariat erworben habe, dass dasjenige, was ich (zur Sozialen Dreigliederung; Anmerkung IH) gesagt habe, zunächst nicht von den anderen Klassen, sondern gerade vom Proletariat verstanden werden wird. Und es muss leider gewartet werden, bis es vom Proletariat verstanden werden wird. Ich glaube aber, da wird es verstanden werden können.

Wobei unter „Proletariat“ das verstanden werden muss, was sich im Laufe der letzten Jahrzehnte zu einem neuen großen Teil der deutschen Bevölkerung verändert hat; siehe dazu hier und hier.

 

Shoppen und Ficken – Ablenkungsmechanismen in den entwickelten Ländern

Bei 2:11:30 sagte Ulrich Gellermann dann:

Es gab ein wunderbares Theaterstück, das hieß „Shoppen und Ficken“. Und wenn man „Ficken“ jetzt noch durch die Pornoindustrie ersetzt, dann haben wir zwei ganz wesentliche Ablenkungsmechanismen in den entwickelten Ländern.

In den entwickelten Ländern“ …  Es wäre zum Lachen, wenn es nicht so ernst und zutreffend wäre. Aber ich will überhaupt nicht den großen Moralisten spielen oder nun die Pornoindustrie verbieten – so wie viele sozialistische Bestrebungen sehr gerne alles das, was sie für „gut“ halten gebieten und alles das was sie für „schlecht“ halten, verbieten möchten. Die Entwicklung der Menschen ist eben nun einmal an dem Punkt einer geistigen Freiheit angekommen („die Menschheit muss selber entscheiden, ob sie die Spiritualität haben will“, siehe oben), an dem sowohl die Technik als auch ein immer wieder sehr ungezügeltes Freiheitsbestreben der Menschen sehr Vieles möglich macht, was früher eine verlogene gesellschaftliche Sitte, kirchliche Moral und so weiter krampfhaft unter dem Teppich gehalten hatten. Man wird sich also auch mit dem Problem dieser Pornoindustrie auseinandersetzen müssen. Dieses ist geistig zu überwinden, nicht durch Verbote. Den Menschen muss durch ein freies Geistesleben innerhalb eines dreigegliederten sozialen Organismus anstelle des alten überkommenen Einheitsstaates (inklusive dessen dekadenter Führungsschicht, siehe dazu nicht nur die grundsätzlichen Rubriken hier und hier, sondern zum Beispiel auch die Grundsatzartikel hier und hier und hier) eine solche geistige Nahrung angeboten werden, dass sie aus dieser heraus die Kraft zur Überwindung der diversen Versuchungen entwickeln können. Gelingt das nicht, dann sieht es nicht gut aus für die Menschheit. Die heutige Naturwissenschaften halten den Menschen für ein mehr oder weniger höher entwickeltes Tier. Nun, der Mensch wird sich, wenn man dieser Auffassung immer weiter folgen muss, weil „Forschung und Lehre“ keine anderen geistigen Erkenntnisse anbieten, eben immer weiter zu einem solchen hinentwickeln. Also neben diversen anderen „Kulturblüten“: Shoppen und Ficken in den entwickelten Ländern.

So gehen die Dinge ihren Lauf – wenn man diesen Lauf der Dinge nicht selber aktiv geistig verändert und ihm eine neue Richtung gibt. Entweder werden die Menschen sich zu einer Spiritualisierung ihrer Gedanken auch auf sozialem Gebiet aufschwingen, oder dieses Abendland, diese westlichen Werte, von denen immer wieder von ganz oben schwadroniert und gefaselt wird, werden dieses gepriesene Abendland immer weiter in die Barbarei und den Untergang führen.

 

 

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„Shoppen und Ficken“ in den „entwickelten Ländern“ wurde am 17.06.2016 unter Freies Geistesleben, Politik, Soziale Frage, Spiritualität, Wissenschaft, Zum Zeitgeschehen veröffentlicht.

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