Es gab in der Mitte ungefähr und auch im letzten Drittel des 19. Jahrhunderts den theoretischen Materialismus: der dicke Vogt in Genf, Moleschott oder Ludwig Büchner, sie alle waren theoretische Materialisten. Clifford hat den Ausspruch getan, daß das Gehirn Gedanken ausschwitze wie die Leber die Galle; also einen rein materiellen Vorgang sah Clifford in dem Bilden von Gedanken: wie die Galle aus der Leber kommt, so kommen Gedanken aus dem Gehirn. Dieses materialistische Zeitalter sah bloß auf die Materie hin; aber die Leute dachten doch über die Materie, und man kann zweierlei anschauen: Man kann in diesem Zeitalter lesen die Bücher von Clifford, von Ludwig Büchner, meinetwillen auch Auguste Comte, dem dicken Vogt in Genf und so weiter; dann kann man sich, wenn man noch Sympathie und Antipathie bei solcher Lektüre entwickelt, fürchterlich darüber ärgern, daß die Leute in dem Entwickeln der Gedanken nur ein Ausschwitzen aus dem Gehirn sehen. Man kann das bitter empfinden. Nun schön! Wenn man nicht ein Materialist ist, so kann man das. Aber man kann es auch anders anschauen. Man kann sagen: Was da der Clifford, Auguste Comte, der Vogt in Genf, was die da über die Welt gesagt haben, das sehe ich als Wischiwaschi an, dafür interessiere ich mich nicht. Aber ich will jetzt in das, was da im eigentlichen Denken von Vogt, von Clifford, von Auguste Comte vorgeht, einmal selbst hineinschauen. Diese Art zu denken, daß die Gedanken nur aus dem Gehirn ausgeschwitzt werden wie Galle aus der Leber, das ist zwar Wischiwaschi, danach will ich mich nicht richten, was Vogt sagt, sondern danach, wie er denkt.
Da stellt sich etwas Merkwürdiges heraus, wenn man das tun kann. Da stellt sich heraus, daß die Art zu denken, die die Leute entwickelt haben, der Keim einer sehr weitgehenden Spiritualität ist. Die Gedanken sind in ihrer eigenen Substanz – weil sie ja nur Spiegelbilder sind, wie ich vorgestern auseinandergesetzt habe – so furchtbar dünn, sie sind noch dünner als dünn, weil sie ja nur Bilder sind, sie sind so dünn, daß sie erfordern, daß der Mensch eine ungeheure Geistigkeit anwendet, um überhaupt noch zu denken, um zu verhindern, daß das hinuntersinkt und ergriffen wird von dem bloß Materiellen des Daseins. Es wird auch sehr häufig heute ergriffen von dem Materiellen des Daseins, sinkt hinunter, und ich bin sogar überzeugt, daß die meisten heute noch materialistisch denkenden Menschen, wenn sie nicht auf der Schule gedrillt worden wären, nicht an den Universitäten geochst hätten, um zum Examen zu kommen, wenn sie nicht den Materialismus eingesogen hätten, weil der Professor ihn als die richtige Weltanschauung verlangt, sich das Denken erspart hätten, das zur materialistischen Weltanschauung aufgewendet werden muß! Sie möchten am liebsten nicht denken! Die meisten gingen auch lieber auf den Paukboden, zur Korpskneipe, als daß sie ihr Denken in Aktivität brächten, oder sie reden nach. Wenn Sie einmal den Versuch machen würden, die wirklichen erkannten Weistümer, die sich bloß auf die Materie beziehen, bei all den Individuen zu studieren, die als Mitglieder monistischer Gesellschaften, wie sich heute etwas nobler die Materialisten nennen, so in der Welt herumlaufen, lange Reden halten, wenn Sie studieren würden, was die eigentlich gedacht haben: Sie würden furchtbar wenig finden! Die reden eigentlich meistens nach. Eigentlich haben den Materialismus nur ein paar Autoritäten begründet; die andern reden nur nach. Weil nämlich, um die modernen naturwissenschaftlichen Gedanken zu hegen, eigentlich eine starke Anstrengung des Geistes notwendig ist! Diese Anstrengung, die ist eine geistige Anstrengung, die ist wahrhaftig nicht so ausgeschwitzt vom Gehirn wie die Galle von der Leber. Das ist eine geistige Anstrengung, eine gute Vorbereitung, um gerade zum Spirituellen aufzusteigen. Ehrlich materialistisch gedacht zu haben, aber ehrlich selbst gedacht zu haben, das ist eine gute Vorbereitung für ein Eindringen in die spirituelle Welt.
Hat Ihnen dieser Artikel etwas gegeben? Dann geben Sie doch etwas zurück! – Unterstützen Sie das Freie Geistesleben, also zum Beispiel meine Arbeit im Umkreis-Institut durch eine
Das geht sehr einfach über eine Überweisung oder über PayPal.
Sollte Ihnen aber Ihre Suchmaschine diesen Artikel nur zufällig auf den Monitor geworfen haben, Sie das alles sowieso nur für (elektronisches) Papier beziehungsweise nur für Worte – also für Pille-Palle – halten, dann gibt es
einen angenehmen und lustigen Ausgang für Sie.
Falls Ihnen dieser Artikel jedoch unverständlich, unangebracht, spinnig oder sogar „esoterisch“ vorkommt, gibt es vorerst wohl nur eines: