Denken und Meditation

von Ingo Hagel

Die Leute des Westens lernen in ihrer „Kultur“ – 

die gerne in die Formel „unsere westlichen Werte“ zusammengefasst wird –  

das Denken nur in seiner Abbildung der Sinneswelt beziehungsweise nur in seiner Anwendung auf die Sinneswelt kennen. Sie entwickeln damit großartige Technik, die zwar das Leben sehr erleichtern kann – 

also so hilfreiche Sachen wie Smartphones und Computer, Autos und Waschmaschinen und so weiter –  

aber sie kommen auf diese Weise niemals dazu, das Denken zu erleben und zu achten, sondern nur dazu, es als ein Mittel zu haben, um die Dinge der Sinneswelt in ihren toten, physikalisch-chemischen, mineralischen Eigenschaften zu ergreifen und damit eben Technik zu fabrizieren – und schlimmer: soziales Leben.  

 

Vielleicht kommen die Menschen am Erleben dieses Toten 

aber dann doch irgendwann darauf, dass dieses Leben und Denken an der Sinneswelt entlang auf die Dauer doch eine große Öde, Leere und Stumpfheit bedeutet, und dass man damit niemals die eigentlichen Quellen des Seins und des Lebens dieser Welt erreicht. Denn letzten Endes ist es ja doch so, dass – wie Rudolf Steiner sagte –  

… ein Umschwung stattfinden soll von einer rein materialistischen zu einer spirituellen Weltauffassung. (GA 275 S. 98) 

Daran arbeiten viele Kräfte und Wesen der Welt, auch wenn die Menschen sich entweder weigern, daran mitzuarbeiten, oder dies mit völlig unzulänglichen Mitteln versuchen.  

 

Sollten diese Leute dann aus irgendwelchen Gründen den Wunsch entwickeln, 

durch Meditation andere Ebenen des Seins zu erreichen –

in Deutschland wird der Umsatz mit Esoterik auf eine Summe zwischen 15 und 20 Milliarden Euro geschätzt, also ungefähr dem Bruttoinlandsprodukt von Estland – und einen Welt-Meditations-Tag hat die UN auch eingerichtet in diesem Jahr.

dann verfallen sie meistens nur dem Drang, dieses Denken – 

das sich ihnen, weil es nur auf die Sinneswelt angewendet wurde, als leer und langweilig sowie unangenehm bis schmerzvoll und so weiter gezeigt hat – 

in ihrem Bemühen, eine neue Stufe des Wissens und der Erfahrung zu erreichen, ganz auszuschalten. Davon ist nur das richtig, dass das Denken entlang der Sinneswelt ausgeschaltet werden muss –

und auch nur für den Zeitraum der Meditation. – 

Da den Leuten allerdings das Denken meistens nur bekannt ist an dem Erfahren der Sinneswelt –

was kein Denken ist, was ich oft hier auf Umkreis-Online behandelt habe –

wollen sie überhaupt das Denken ausschalten. Kommt man dann in das hinein, was „Meditation“ sein soll, dann gestaltet sich diese entweder als ein großes, inhaltsleeres Dösen und Träumen in denkerischer Passivität, mit der man in dem angestrebten Bemühen nicht weiterkommt – 

Dem Himmel sei Dank! Müsste man sagen –

oder als eine Verstärkung des gewöhnlichen Kopfdenkens, die dadurch aber noch krankmachender wirkt als das Kopfdenken des gewöhnlichen Lebens sowieso schon wirkt. –

Das gewöhnliche Bewusstsein vollzieht sich ja immer auf der Zurückdrängung der aufbauenden, Wachstum machenden Kräfte. Es ist ein kleines Sterben, dass das große Sterben am Ende des Lebens jeden Tag stückweise schon einmal ein wenig vorausnimmt. 

 

Die geistige Entwicklungsgeschichte Europas zeigt, wie missverstanden das Denken 

in der sogenannten modernen Welt ist, da es nur auf einem Sich-Stützen auf die Objekte der Sinneswelt nach naturwissenschaftlicher Methode beruht – 

was aber ein gutes Erziehungsmittel ist für ein Denken, in dass der Mensch subjektive Wünsche und Beginn nicht mehr hineinmischen darf –

oder in einer wesenlosen Art immer abstrakter, also immer mehr inhaltsleeres Bild wird. Aber das ist eben – 

wie immer mal wieder hier beschrieben – 

die Voraussetzung zur Freiheit. Wenn man zur Wirklichkeit des Denkens kommen will, muss dieses Denken nur als Bild dann allerdings überwunden werden. 

 

Die soziale Konsequenz davon zeigt sich zum Beispiel im politischen Leben, 

in dem immer mehr nur noch Worte benutzt werden, hinter denen keine nachdenkbaren und erlebbaren Begriffe stehen – 

die also nichts anderes sind als Phrasen – 

oder Lügen. Das stört allerdings kaum Einen, da der Verfall des Denkens in der Gesellschaft sich allgemein und flächendeckend ausbreitet – 

und die meisten Leute ganz zufrieden sind, wenn der größte begriffliche und sonstige Unsinn einfach von oben dekretiert wird, ohne dass sie sich weiter darum kümmern müssen. –

Störend werden allerdings im Sozialen immer mehr die praktischen, also handgreiflichen Konsequenzen eines solchen Denkverfalles wahrnehmbar werden.    

 

Das wirkliche Denken erwartet wie ein noch unbekannter Kontinent erst noch seine Erkundung. 

Entdeckt wurde dieser Kontinent ja bereits durch Rudolf Steiner – und beschrieben durch seine Anthroposophie. Und Rudolf Steiners „Philosophie der Freiheit“ ist eines der sichersten Mittel, dieses neue Land in den Blick zu bekommen. – 

Rudolf Steiner: Erst muß man überhaupt lernen, selbständig zu denken. Nun, das kann man. Ich will nicht sagen zum Beispiel, weil ich ja nicht ein eingebildeter Tropf bin, daß nur meine «Philosophie der Freiheit» dazu dient, aber die ist bewußt dazu geschrieben, daß man sich selbständiges Denken angewöhnt.

Etwas weniger sicher, aber ebenfalls möglich ist die Erarbeitung der anthroposophischen Geisteswissenschaft, der allerdings immer auch eine Erarbeitung des reinen, sinnlichkeitsfreien Denkens ist:

Es ist der Weg, welcher durch die Mitteilungen der Geisteswissenschaft in das sinnlichkeitsfreie Denken führt, ein durchaus sicherer. Es gibt aber noch einen andern, welcher sicherer und vor allem genauer, dafür aber auch für viele Menschen schwieriger ist. Er ist in meinen Büchern «Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung» und «Philosophie der Freiheit» dargestellt.  

  

Missverstandenes Denken

Rudolf Steiner hat immer wieder anhand berühmter Menschen, viele davon Philosophen, darauf aufmerksam gemacht, wie missverstanden und unerkannt – 

also unsichtbar, das heißt nicht sinnlich, also übersinnlich –  

das Denken selbst unter den scharfsinnigsten Denkern seiner Zeit war – und bis heute geblieben ist. Rudolf Steiners Entdeckung einer Anschauung des Denkens selber – 

also Wahrnehmung, Beobachtung – 

von der er so oft spricht und schreibt, die von den heutigen sogenannten modernen Menschen als völlig rätselvoll und im Dunkeln liegend angesehen wird – 

so sie denn überhaupt noch eine Neigung verspüren, sich damit beschäftigen zu wollen, weil es heute aus dem gewöhnlichen Leben heraus kaum noch Anknüpfungspunkte des Erlebens daran mehr gibt – 

ist jedoch immer noch ein großes Problem, ein riesiges Thema, eine immerwährende, nie endenwollende Baustelle. –

Und die vielen Artikeln hier auf Umkreis-Online  zur „Philosophie der Freiheit“ Rudolf Steiners zeugen von der Komplexität dieses Themas. –

 

In einer Zeit, in der die Leute wie die Besessenen 

mit ihrem Kopf entlang der Sinneswelt herumdenken – 

weil sie in unserer gesalbten Kultur mit ihren Schulen, Zeitungen, Internet und Universität nie etwas anderes kennengelernt haben –  

sind sie auf dem besten Wege, selbst diese Fähigkeit zum Denken entlang der Sinneswelt immer mehr zu verlieren, weil   

unser Kopf seit dem 15. Jahrhundert ein recht viel weniger brauchbares Werkzeug geworden ist, viel vertrockneter ist, als er vorher war.

Und: 

… die Menschen werden gar keine Gedanken haben, wenn sie sich nur ihrem Kopfe überlassen wollen. Und so ist es ja auch, und es zeigt sich darin, daß die Menschen nicht denken wollen. Immer weniger wollen sie denken.

 

Siehe zum Thema einer Verweigerung des Denkens – 

nicht durch den Organismus, sondern durch den Menschen selber – auch hier:  

… und ich bin sogar überzeugt, daß die meisten heute noch materialistisch denkenden Menschen, wenn sie nicht auf der Schule gedrillt worden wären, nicht an den Universitäten geochst hätten, um zum Examen zu kommen, wenn sie nicht den Materialismus eingesogen hätten, weil der Professor ihn als die richtige Weltanschauung verlangt, sich das Denken erspart hätten, das zur materialistischen Weltanschauung aufgewendet werden muß! Sie möchten am liebsten nicht denken! 

Wir laufen also ganz natürlich und organisch-ökologisch immer weiter in eine Zeit des Verfalls des Verstandes, desjenigen Verstandes hinein, der sich nur auf die Kräfte des Kopfes gründen will, wenn nicht durch eine Aktivierung der Denkkräfte, die nicht auf dem Kopf beruhen, gegengesteuert wird. –

Das Ganze wurde hier auf Umkreis-Online immer wieder und in vielen Artikeln beleuchtet. –   

 

Die Frage kann auftauchen, was denn Denken und Meditation miteinander zu tun haben. 

Nun, das gewöhnliche Denken ist selbstverständlich keine Meditation. Allerdings ist es auch kein Denken, weil es gestützt ist durch die Sinneswahrnehmung und an dieser entlang verläuft. Aber derjenige, der sich mit diesem Thema anhand der Anthroposophie Rudolf Steiners beschäftigt – 

natürlich ist das erstmal etwas, was die Leute „theoretisch“ nennen, aber es ist der Rettungsring, der die blindwütig drauflos meditierenden „Praktiker“ vor dem Versinken in die Bodenlosigkeit bewahrt –  

kann dann feststellen, dass in dem Moment, wo dieses oben angeführte Nicht-Denken – 

also immer schön an der Sinneswelt entlang – 

dann tatsächlich als reines, also sinnlichkeitsfreies Denken zu einem wirklichen Denken wird, dass die Grenze zwischen diesem Denken und der Meditation rein technisch gesehen sehr dünn wird beziehungsweise sich auflöst. Rudolf Steiner in einem nicht nur erkenntnistheoretischen Vortrag:  

Und die übersinnlichen Welten bleiben dem Menschen nur so lange verborgen, als er aus seinen Gedanken den sinnlichen Inhalt nicht ganz entfernen kann. Wird der Gedanke sinnlichkeitsfrei, dann ist nur noch ein Schritt zu vollziehen, und die übersinnliche Welt kann beschritten werden. 

 

In die übersinnlichen Welten führt in einer gesunden Weise eben nur ein Denken, 

dass sich an ein sinnlichkeitsfreies Denken gewöhnt hat – also die Gewöhnung an ein solches Denken, das – 

wie in Rudolf Steiners „Philosophie der Freiheit“ – 

recht viel mit wirklicher, wahrer Philosophie zu tun hat. Das ist natürlich bei den heutigen Menschen, die so ungerne denken – 

beziehungsweise wenn sie überhaupt denken, dann immer nur an der Sinneswelt entlangdenken wollen – 

noch unbeliebter als ein Denken entlang der Sinneswelt.  

 

Dementsprechend zeigen alle Erfahrungen, die man selber diesbezüglich machen kann, 

dass die Leute mit einem wirklichen Denken nichts zu tun haben wollen, dass sie selbst von einem Denken, das versucht, die Phänomene der Sinneswelt zu durchdringen – 

seien es die Phänomene und Erscheinungen in der Naturwissenschaft oder seien es die auf sozialem Gebiet – die doch beide in der heutigen Zeit den Menschen immer mehr auf den Pelz, das heißt in unangenehmer Art auf die leibliche Existenz rücken –

nichts wissen wollen –

weil sie jedes wirkliche Denken als schmerzhaft empfinden, und auch, weil sie gar kein Interesse für diese Phänomene haben, auch wenn diese noch so laut sprechen –

und daher einen großen Bogen darum machen. 

 

Auch erleben die allermeisten Menschen, wenn man ihnen –  

wie zum Beispiel in einem Artikel wie dem hier vorliegenden – 

die Beziehung zwischen einem wirklichen Denken und der realen geistigen Welt nahezubringen versucht, so wenig bis überhaupt nichts, dass ich mich selber manchmal frage, ob nicht die einzige Möglichkeit, in der heutigen Zeit noch zu einer Auseinandersetzung mit dieser Sache zu kommen, die sein wird, dass sich die Wesen der geistigen Welt einfach dem Menschen werden offenbaren müssen, damit diese von ihnen überhaupt – 

und auch nur gezwungenermaßen, also sozusagen in Notwehr – 

Kenntnis nehmen und sich mit dem Thema auseinandersetzen werden.  

 

Das wird aber überhaupt nicht gemütlich werden, 

wie man aus manchen Andeutungen Rudolf Steiners zu den geistigen Wesen, die den Menschen in der Zukunft zum Beispiel aus den von ihnen geschaffenen Maschinen entgegenkommen werden, entnehmen kann. 

Wenn ich so etwas schreibe, halten die Leute so etwas natürlich für völlig fernab vom Schuss. Gleich danach gehen sie dann ins Kino und schauen sich – nur zum Beispiel – die nächste Version von „Transformers“ an –

erschienen mittlerweile in fünf oder sechs Folgen –

wo all das bereits zelebriert wird. Wie ich oft hier auf Umkreis-Online gesagt habe: die geistige Welt ist im Kino längst vorhanden und wird ziemlich flächendeckend thematisiert. Allerdings nur auf eine Art und Weise – 

also rein materialistisch und zum Anfassen, wenigstens zum Angucken – 

wie die nicht denken wollenden Menschen das schlucken wollen.   

 

Wenn man sich im Internet die verschiedenen Beiträge zu Meditationspraktiken anschaut, 

dann kann man den Eindruck gewinnen, dass es sich bei all den Bemühungen nicht um ein Anknüpfen an ein wirkliches Denken handelt, sondern nur um ein mehr oder weniger gefühlvolles Dösen handelt, also um die Verfolgung des Wunsches, sich träumend aus dieser unangenehmen Welt und überhaupt aus der schmerzvollen Welt des Denkens zu entfernen – beziehungsweise um ein Bemühen, durch ein beinhartes Denken mit dem gewöhnlichen Bewusstsein des Kopfes in irgendeine geistige Welt zu kommen – 

von der die Leute allerdings keine Vorstellung haben, weil sie die Anthroposophie nicht kennen oder nicht studieren wollen. –    

 

Die Menschen ahnen nicht, dass man bereits mit der Erarbeitung von Rudolf Steiners Schriften 

„Grundlinien einer Erkenntnistheorie der Goetheschen Weltanschauung“ (GA 2)  und „Philosophie der Freiheit“ sich auf dem sichersten Wege in die reale geistige Welt befindet, auch wenn diese sich ersteinmal „nur“ rein gedanklich-philosophisch – also in reinen Begriffen – ergibt:

Es stehen diese Schriften auf einer sehr wichtigen Zwischenstufe zwischen dem Erkennen der Sinnenwelt und dem der geistigen Welt. Sie bieten dasjenige, was das Denken gewinnen kann, wenn es sich erhebt über die sinnliche Beobachtung, aber noch den Eingang vermeidet in die Geistesforschung. Wer diese Schriften auf seine ganze Seele wirken lässt, der steht schon in der geistigen Welt; nur dass sich diese ihm als Gedankenwelt gibt.

Zum Beispiel hier wurde dargestellt, dass es bei diesem Denken in reinen Begriffen nicht bleiben muss, sondern dass bereits durch das richtige Studium der „Philosophie der Freiheit“ und durch das richtige Erleben der Denktätigkeit man durchaus zu einem „Äthererleben … Bildekräfteerleben“ kommen kann. Es ist nicht unwichtig, so etwas wenigstens ersteinmal nur theoretisch zu wissen.      

 

 

Hat Ihnen dieser Artikel etwas gegeben? Dann geben Sie doch etwas zurück! – Unterstützen Sie das Freie Geistesleben, also zum Beispiel meine Arbeit im Umkreis-Institut durch eine

Spende! 

Das geht sehr einfach über eine Überweisung oder über PayPal.

Sollte Ihnen aber Ihre Suchmaschine diesen Artikel nur zufällig auf den Monitor geworfen haben, Sie das alles sowieso nur für (elektronisches) Papier beziehungsweise nur für Worte – also für Pille-Palle – halten, dann gibt es 

hier 

einen angenehmen und lustigen Ausgang für Sie.

Falls Ihnen dieser Artikel jedoch unverständlich, unangebracht, spinnig oder sogar „esoterisch“ vorkommt, gibt es vorerst wohl nur eines: 

Don‘t touch that!