Derjenige, der nun heute aus der Gelehrsamkeit oder aus dem sonstigen Autoritätsglauben unserer Zeit heraus zu der rein in Abstraktionen hausenden Naturwissenschaftlichkeit erzogen wird, wird allerdings nicht vordringen zu dem Gefühle der unendlichen Verarmung gegenüber der wahrhaften Realität. Wer aber den Durst nach einem Verwachsen mit der Weltenrealität in sich fühlt, der weiß, wie ihn in einem gewissen Zeitpunkte seines Lebens das Gefühl überkommt: O wie fühlt man sich in allen heutigen Vorstellungen entfernt von der wahren Realität, wie fühlt man sich in bloßen äußeren Schemen, in Schattenbildern! — Das könnte man auch in äußeren wissenschaftlichen Formen ausdrücken, und Sie finden es so ausgedrückt in meinem kleinen, vor vielen Jahren erschienenen Werke «Wahrheit und Wissenschaft». Da wird gezeigt, daß der Mensch dadurch, daß er zum gewöhnlichen Verstandeswissen kommt, nur zu einem Teile des Wissens, der Wahrheit, gelangt und vorwärtsdringt zu einer anderen Gestalt der Welt, als die ist, die sich ihm darbietet. Das ist der wissenschaftliche Weg, der ganz gut gangbar ist, wenn er auch für die Philosophie der heutigen Zeit unverständlich klingt. Aber auf der anderen Seite entsteht das Streben, durch die esoterischen Wege hineinzudringen in eine vollsaftigere Wirklichkeit, als die bloßen abstrakten Verstandesgesetze es geben können. Und dann, wenn die Seele so fühlt, daß sie mit dem heutigen normalen Bewusstsein nur Ideen hervorbringen kann, die Maja sind gegenüber der vollsaftigen Realität, wenn diese Seele nicht eine ausgepreßte Zitrone ist, die bloß die gegenwärtigen Wissenschaften anerkennt, dann fühlt sie sich wie leer gegenüber der Weltenrealität. Dann fühlt sie zwar, daß sie mit ihren Ideen bis an das Ende der Welt kommen kann, bis an die Weltenfernen, aber sie berücksichtigt nicht den Ausspruch vom zweiten Drama «Die Prüfung der Seele»: «Bei Weltenfernen ende nicht.» Denn wer im Ernste bei Weltenfernen enden wollte, den müßte ein Gefühl überkommen, wie wenn er sich ausbreitete mit den Ideen, die an sich schon schwach sind, über einen unendlich weiten Raum. Da werden sie noch mehr verdünnt, und je weiter wir in die Weltenfernen kommen, desto dünner werden sie, und wir stehen vor dem unendlich leeren Abgrund mit unseren Ideen. Das muß als Seelenprüfung auftreten. Der nach Realität Dürstende, der im Sinne der abstrakten Wissenschaftlichkeit sich über die Rätsel und Wunder der Welt aufklären muß, steht zuletzt mit den sich völlig in spirituellen Dunst auflösenden Ideen vor der Weltenleere. Dann muß die Seele unendliche Furcht vor der Leere empfinden. Wer diese Furcht vor der Leere nicht empfinden kann, der ist einfach noch nicht so weit, daß er die Wahrheit fühlt über das gegenwärtige Bewußtsein.
Hat Ihnen dieser Artikel etwas gegeben? Dann geben Sie doch etwas zurück! – Unterstützen Sie das Freie Geistesleben, also zum Beispiel meine Arbeit im Umkreis-Institut durch eine
Sollte Ihnen aber Ihre Suchmaschine diesen Artikel nur zufällig auf den Monitor geworfen haben, Sie das Alles sowieso nur für (elektronisches) Papier beziehungsweise nur für Worte – also für Pille-Palle – halten, dann gibt es
einen angenehmen und lustigen Ausgang für Sie.
Falls Ihnen dieser Artikel jedoch unverständlich, unangebracht, spinnig oder – noch schlimmer – „esoterisch“ vorkommen sollte, gibt es vorerst wohl nur eine Lösung, nämlich die Seite des Umkreis-Institutes weiträumig zu umfahren. Also: