Rudolf Steiner: Die notwendige Verkündigung der Geisteswissenschaft macht die allergrößten, die denkbar größten Schwierigkeiten 

(GA 177 S. 52)

Es ist heute zuweilen schon schwierig, dasjenige, was berühmte Menschen aussprechen, überhaupt noch ernst zu nehmen. Schade ist natürlich dabei nur, daß es so außerordentlich schwierig wird, die Menschen in breiteren Kreisen von diesen Dingen zu überzeugen.

Denn es liegt den Leuten doch gewissermaßen in den Gewohnheiten, an Autoritäten zu glauben, trotzdem selbstverständlich die Menschen der Gegenwart gar nicht autoritätsgläubig sind! Aber das ist ja nur ihre Meinung. Wir haben über diese Meinung, die die Menschen von sich selber haben, gestern auch einiges sagen können.

Dieser zuweilen in den Grundinstinkten von der Wahrheit abirrenden Gegenwart wird es außerordentlich schwer werden, gerade diejenigen Wahrheiten aufzunehmen, welche das unmittelbar an den physischen Plan anstoßende Grenzgebiet berühren. Denn was da als das an den physischen Plan unmittelbar anstoßende Grenzgebiet gelten muß, das erfordert, daß man bei der Charakteristik in einer gewissen Weise an eine gesunde, an eine unverdorbene Gemütsverfassung derjenigen appellieren muß, die darüber hören. Und das wird gegenüber der Verkündigung derjenigen Wahrheiten, die notwendigerweise verkündet werden müssen, die allergrößten, die denkbar größten Schwierigkeiten machen. Nicht etwa bloß das Anschauen dieser Wahrheiten, sondern schon das Sich-Bekanntmachen mit diesen Wahrheiten hat eine Bedeutung für die ganze Seelenverfassung des Menschen.

Was man an äußerem Wissen über den physischen Plan aufnimmt, das hat eine gewisse Wirkung, sagen wir auf den menschlichen Kopf. Aber diejenigen Wahrheiten, die in die Tiefe gehen – auch wenn sie nur bis zu jener Tiefe gehen, wo sie das Grenzgebiet betreffen – diese Wahrheiten berühren den ganzen Menschen, nicht bloß den Kopf, sondern den ganzen Menschen. Und man muß dann für die Verkündigung solcher Wahrheiten rechnen auf ein unverdorbenes, gesundes Gemüt.

Nun, für viele Lebensverhältnisse ist aber ein unverdorbenes, gesundes Gemüt in der Gegenwart gar nicht so sehr verbreitet. Im Gegenteil, ein ungesundes, verdorbenes Gemüt ist heute durchaus keine Seltenheit. Und so kommt es, daß in der Aufnahme der Wahrheiten sich sehr stark die Art und Weise geltend macht, wie das instinktive Leben, wie das Triebleben, wie die ganze Seelenverfassung, die Gemütsverfassung der Menschen ist, die diese Wahrheiten aufnehmen wollen. Menschen mit verdorbenen Instinkten, die keinen Willen haben, ihre Lebensverhältnisse in eine gewisse Zucht zu nehmen, werden sehr schnell die Neigung haben, gerade wenn es sich darum handelt, Wahrheiten über das Grenzgebiet aufzunehmen, diesen Wahrheiten gegenüber eine Stellung einzunehmen, die ganz von niedriger Gesinnung erfüllt ist. Das kann sehr leicht passieren. Wenn Menschen kein gesundes Interesse haben für die objektiven Weltenvorgänge, wenn Menschen vor allen Dingen nur ein Interesse haben für das, was mit ihnen selber zusammenhängt, so verdirbt das oftmals schon das Gemüt so sehr, daß gerade den okkulten Wahrheiten und namentlich denen des Grenzgebietes nicht entsprechende Instinkte entgegengebracht werden.

 

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