Meditation (3)

von Ingo Hagel         

Auch diese Stellen hier –

siehe auch den vorigen Beitrag dieser Artikelserie –

sind gute Beschreibungen mit Blick auf ein Hören der Meditation:    

Man kann noch ein anderes tun, indem man das, was man denkt, innerlich so lebendig macht, so kraftvoll macht, daß man den eigenen Gedanken wie etwas Lebendiges vor sich hat und in ihn lebendig sich vertieft wie in etwas, was man draußen hört und sieht, so daß der eigene Gedanke so konkret wird wie das, was man hört oder sieht.    (GA 147 S. 98)

Und ein paar Sätze weiter steht es nochmal:

Wenn man innerlich erkraftet und erweckt die Seele, daß man seinen Gedanken gleichsam hört oder sieht, dann hat man das Meditieren. 

Wie genau das denn geht, wie man denn die Seele 

innerlich so lebendig macht, so kraftvoll macht, daß man den eigenen Gedanken wie etwas Lebendiges vor sich hat,

das beschreibt Rudolf Steiner nicht weiter. Kann es sein, dass er das nicht beschreibt, weil jeder Meditierende das für sich herausbekommen muss?  

 

Und auch hier weist Rudolf Steiner mehrere Male auf diese besondere Intensivierung 

des Gedankenlebens bei der Meditation hin: 

Derjenige, der solche Methoden auf sich anwendet, wodurch er lernt, in Gedanken ebenso intensiv zu leben, wie man sonst nur in den äußeren Sinneseindrücken lebt, …

…

… daß man in den Gedanken drinnen so leben kann, wie man sonst durch seinen Körper in der sinnlichen Welt lebt. Man nehme eine solche Aussage nicht allzu leicht. …

Und:

… so weit kommt, daß er, ohne daß er sich auf die Eindrücke der Augen, der Ohren, auf die Eindrücke anderer Sinne verläßt, dennoch ein inneres Leben entwickelt, das nun innerlich intensiv ist, wie sonst nur das Leben der Sinne, ein inneres Leben, das nicht bloß in schattenhaften Gedanken lebt, sondern in innerlich lebendigen Gedanken, daß man die Gedanken so erlebt, wie man sonst nur die Sinneseindrücke erlebt, dann erlebt man allerdings ein zweites Dasein, dann erlebt man ein anderes Selbstbewußtsein. Man erlebt geradezu dasjenige, was ich nennen mochte: Aufwachen, nicht außerhalb des Leibes, sondern im Innern des Menschen zu einem Leben erwachen, trotzdem der physische Leib so ruhig und durch die Sinne so unempfänglich ist, wie er sonst nur im Schlafe ist.

Ich merke hier an dieser Stelle mal wieder die Übereinstimmung dieser Anleitungen zur Meditation mit Rudolf Steiners „Philosophie der Freiheit“ an. 

… es kommt darauf an, daß nichts gewollt wird, was, indem es sich vollzieht, vor dem «Ich» nicht restlos als seine eigene, von ihm überschaubare Tätigkeit erscheint.       

Bereits in der „Philosophie der Freiheit“ soll der Begriff, das Denken ja beobachtet werden, soll also Wahrnehmung, das heißt „überschaubare Tätigkeit„, also anschaubar werden.     

Aber wie kommt man zu diesem

Dasein im reinen Denkprozesse, der aber dann ein Anschauungsprozeß ist, der so farbig und intensiv ist wie sonst die Sinneswahrnehmung …     

  

Auch hier hilft es einem nichts, wenn man sich vermeintlich gutwillig anstrengt, 

aber dennoch nur in solchen Gedanken intensiv lebt, die nur intellektuelle, tote, schattenhafte Gedanken des Kopfes sind. Gewiss hat man am Anfang erst einmal nichts Anderes zur Verfügung, aber man sollte schon im Bewusstsein haben, dass etwas Anderes erreicht werden muss, weil man sonst völlig an den Zielen und Intentionen der Meditation, ja an der Meditation selbst vorbeiläuft. 

Die Frage ist also immer wieder, was das denn ist und wie man das denn macht,

daß man die Gedanken so erlebt, wie man sonst nur die Sinneseindrücke erlebt …

Die schattenhaften Gedanken des intellektuellen Bewusstseins können es nicht sein. Das ist schon mal klar. Aber was ist es dann? Und wie kommt man da hin? Sicherlich bedarf es einer besonderen Anstrengung, um Gedanken sowie Sinneseindrücke zu erleben. Aber man sollte nun nicht seinen gesamten intellektuellen Erkenntnisapparat des Kopfes in diese Anstrengung hineinwerfen. Darauf habe ich auf dieser Seite ja immer wieder hingewiesen: 

Aber bitte nicht mit dem Kopf!    

Aber wie macht man es denn nun?

  

Nun, ich habe immer wieder erlebt, dass es eine große Hilfe ist, 

diese verschiedenen kleinen – aber es sind große, bedeutende – Beschreibungen und Mosaiksteine dieser Gedankentechnik, die Rudolf Steiner immer wieder an den verschiedenen Stellen darstellt –

und auf die ich hier auf dieser Seite immer wieder hingewiesen habe –

dass man diese methodischen Beschreibungen für sich zu realisieren versucht. Erst das eine Mosaiksteinchen, dann das andere Mosaiksteinchen, dann mehrere dieser Mosaiksteinchen zusammen, so dass diese Denktechnik mit der Zeit ein lebendiges Ganzes gibt. Und eines dieser zentralen Mosaiksteinchen, die man sich übend vornehmen kann, ist eben das in der GA 20 Gesagte: 

Der Mensch kann in das gewöhnliche bewußte Denken eine stärkere Willensentfaltung einführen, als in diesem im gewöhnlichen Erleben der physischen Welt vorhanden ist. Er kann dadurch vom Denken zum Erleben des Denkens übergehen. Im gewöhnlichen Bewußtsein wird nicht das Denken erlebt, sondern durch das Denken dasjenige, was gedacht wird. Es gibt nun eine innere Seelenarbeit, welche es allmählich dazu bringt, nicht in dem, was gedacht wird, sondern in der Tätigkeit des Denkens selbst zu leben. Ein Gedanke, der nicht einfach hingenommen wird aus dem gewöhnlichen Verlauf des Lebens, sondern der Aber diese stärkere Willensentfaltung im Bewusstsein darf eben nicht eine Willensentfaltung des Kopfes sein. um ihn in seiner Wesenheit als Gedanke zu erleben, löst in der Seele andere Kräfte los als ein solcher, der durch auftretende äußere Eindrücke oder durch den gewöhnlichen Verlauf des Seelenlebens hervorgerufen wird. 

Aber diese stärkere Willensentfaltung im Bewusstsein darf eben nicht eine Willensentfaltung mit dem intellektuellen Bewusstsein des Kopfes sein. Das kann erreicht werden, indem man sich von den im gewöhnlichen Sinne denkenden Fähigkeiten des Nerven-Sinnes-Systems ab- und den schöpferischen, hervorbringenden Fähigkeiten des unteren Menschen, des Blutmenschen zuwendet. Man versuche, den Gedanken der Meditation hervorzubringen, und im Hervorbringen gleichzeitig anzuschauen. Dieser gedankenschöpferische Blutprozess, diese „Willensentfaltung im Bewusstsein“ – siehe obiges Zitat – auf die Rudolf Steiner ja bereits in seiner „Philosophie der Freiheit“ hinweist – siehe die verschiedenen letzten Artikel – ist es, der den Meditationsinhalt im Sinne einer Wahrnehmung verdichtet und verlebendigt.    

 

Einschub: Mit Blick auf dieses innere Denken in Worten, die man in der Meditation hören soll – 

und mit Blick auf ein meditatives Denken, dass nicht mehr in Worten verläuft, vergleiche man auch die Ausführungen Rudolf Steiners im Vortrag vom 20. April 1923 in der GA 84. Durch das innere Hören wird die ätherische Welt – beziehungsweise der zweite Mensch – erfasst. Durch das Überwinden dieser inneren Worte wird der astralische Mensch, der dritte Mensch erfasst. – diesbezüglich könnte man sich an diese Stelle in der „Philosophie der Freiheit“ zu Beginn des vierten Kapitels (GA 4 S. 57) erinnern:

Durch das Denken entstehen Begriffe und Ideen, Was ein Begriff ist, kann nicht mit Worten gesagt werden. Worte können nur den Menschen darauf aufmerksam machen, daß er Begriffe habe. 

Und man könnte sich fragen, ob nicht diese Angelegenheit mit der Erfassung des dritten übersinnlichen, also des astralischen Menschen – 

der dadurch erfasst wird, dass man eben lernt völlig ohne Worte Begriffe zu denken – 

ganz kurz – aber nur sehr zwischen den Zeilen – bereits in der „Philosophie der Freiheit“ angesprochen wird. Aber angesprochen wird er.    

 

Das, was Rudolf Steiner in dem oben angeführten Zusatz zum dritten Kapitel der „Philosophie der Freiheit“ sagt – 

… es kommt darauf an, dass nichts gewollt wird, was, indem es sich vollzieht, vor dem «Ich» nicht restlos als seine eigene, von ihm überschaubare Tätigkeit erscheint. –

heißt ja nichts anderes, als dass man beim Nachvollziehen der Gedanken dieses Buches genau so wie bei der Meditation alle Wahrnehmungen, Erinnerungen und so weiter ausschließen soll. Wenn im Bewusstsein nur das leben soll, was vom Ich als der Inhalt des Denkens dort hineingebracht und gehalten wird, dann ist eben für diese Zeit des Denkens der „Philosophie der Freiheit“ die Sinneswelt erstorben – so wie eben die Sinneswelt für die Zeit der Meditation erstorben ist, abgetötet werden muss – vergleiche dazu weiter unten.            

Obige Sätze im Zusatz zur dritten Kapitel der „Philosophie der Freiheit“ sind also auf eine rein philosophische Art nichts anderes als eine Anweisung zur Denktechnik der Meditation. Und genauso wie bei der Meditation darf beim richtigen Studium der „Philosophie der Freiheit“ die Wahrnehmung eines realen Geistigen erwartet werden. –

Im Zusatz zum Anhangskapitel der „Philosophie der Freiheit“  „Die letzten Fragen“ liest sich das so (GA 4 S. 256): 

… darf aus dem Gesichtspunkte, der sich bloß aus dem intuitiv erlebten Denken ergibt, berechtigt erwartet werden, daß der Mensch außer dem Sinnlichen auch Geistiges wahrnehmen könne? Dies darf erwartet werden. Denn, wenn auch einerseits das intuitiv erlebte Denken ein im Menschengeiste sich vollziehender tätiger Vorgang ist, so ist es andererseits zugleich eine geistige, ohne sinnliches Organ erfaßte Wahrnehmung. Es ist eine Wahrnehmung, in der der Wahrnehmende selbst tätig ist, und es ist eine Selbstbetätigung, die zugleich wahrgenommen wird. Im intuitiv erlebten Denken ist der Mensch in eine geistige Welt auch als Wahrnehmender versetzt.

So radikal ist das Denken der „Philosophie der Freiheit“ gemeint. In dieser Radikalität ist es aber nichts anderes als eine Anleitung zur Denktechnik der Meditation. Das ahnt man natürlich nicht, wenn man die „Philosophie der Freiheit“ ersteinmal nur mit dem gewöhnlichen Bewusstsein aufnimmt. 

 

Die „Philosophie der Freiheit“ ist nicht – 

nach so vielen anderen Philosophien unterschiedlicher Couleur – 

noch eine weitere Philosophie, die man sich nun als Steiner-Jünger in sein gewöhnliches, abstraktes Bewusstsein ziehen kann. Die „Philosophie der Freiheit“ ist eine Anleitung zu einer Denktechnik, mit der man sich aus dem gewöhnlichen Alltagsbewusstsein langsam, aber sehr gesund und gesundend, in eine reale geistige Welt hineinarbeiten kann. Das, was sonst noch in der „Philosophie der Freiheit“ steht, das wollte Rudolf Steiner „der Welt“ schon auch sagen, aber das war nicht das „Allerwichtigste„:  

Dieses Buch, «Die Philosophie der Freiheit», ist nicht so wichtig durch das, was drinnen steht. Natürlich, das, was drinnen steht, das wollte man schon auch dazumal der Welt sagen, aber das ist nicht das Allerwichtigste, sondern das Wichtige bei diesem Buche «Die Philosophie der Freiheit» ist, daß zum ersten Mal ganz und gar selbständiges Denken in diesem Buche ist. Kein Mensch kann das Buch verstehen, der nur unselbständig denkt.   

Aber ein „ganz und gar selbstständiges Denken“ der „Philosophie der Freiheit“ ist eben genau so ein wirkliches Denken, wie die Meditation ein wirkliches Denken werden muss. 

 

Aber nicht so, wie man in der Grundschule Gedichte innerlich hat ablaufen lassen beim Auswendiglernen –

und bei dem man vielleicht überhaupt nicht innerlich dabei war – weil man die Gedichte vielleicht gehasst hat – bei dem man also nur mechanisch-passiv-widerwillig dabei war, nicht selber dabei war, sondern seinen Leib (Gehirn) hat arbeiten lassen – 

soll man innerlich hörend meditieren, sondern so, dass man bei diesem innerlichen Reproduzieren der Meditationsworte weiß, dass man diese passive Haltung des Intellektes, die durch den physischen Leib gestützt wird, und die dann abläuft wie in einem Automaten, überwinden soll und durch die in jedem Moment neu erzeugte, den Meditationssatz hervorbringende Aktivität des Ichs ersetzt.  

 

Diese naturwissenschaftliche Denkweise, die ihre Sinne an den Dingen der Außenwelt entlangströmen lässt, 

und dann Gedanken, die diese Dinge abbilden, in sich passiv aufsprießen und in sich strömen fühlt, muss überwunden werden, weil das kein Denken ist. Rudolf Steiner hat das immer wieder charakterisiert, und auch mit Blick auf die „Philosophie der Freiheit“, die ein außergewöhnliches Schulungsmittel ist, um diese schläfrige Denkfaulheit zu überwinden:

Dieses Moment des Übergehens aus einem bloßen Erleiden in ein Tätigsein, das ist es, was auf einer höheren Stufe in ähnlicher Weise beim Lesen der «Philosophie der Freiheit» in dem Menschen auftauchen sollte. Er sollte sich gewissermaßen sagen: Ja, ich habe bisher gedacht, aber dieses Denken bestand eigentlich darin, daß ich die Gedanken in mir strömen ließ, ich gab mich hin dem Strom der Gedanken. Jetzt beginne ich Stück für Stück meine innere Tätigkeit zu verbinden mit dem Gedanken; jetzt ist es so mit den Gedanken, wie wenn ich des Morgens aufwache und die Tätigkeit meiner Sinne verbinde mit der Farben- und Tonwelt oder die Tätigkeit meines Organismus verbinde mit meinem Willen. – Dadurch aber, daß man ein solches Aufwache-Erlebnis hat – ich habe darauf hingedeutet in meinem Buche «Vom Menschenrätsel», da wo ich über Johann Gottlieb Fichte spreche -, kommt man zu einer Seelenhaltung, die eben durchaus eine andere Seelenhaltung ist als diejenige, die heute die gewöhnliche ist. 

  

Dieser Prozess und diese Denktechnik kann nicht von jetzt auf gleich verstanden und umgesetzt werden. 

Dafür braucht es Jahre und Jahrzehnte – je nach mitgebrachter Begabung – denn es müssen neue geistig-seelische Kräfte erworben werden. – 

Und es müssen ganze Zeitalter, in denen es eine berechtigte Aufgabe der sich entwickelnden Menschheit war, so an der Sinneswelt entlang abstrakt denken zu lernen, überwunden werden. –

Nicht mit dem physischen Leib soll nun gedacht werden, sondern im reinen, sinnlichkeitsfreien Denken eben ohne den physischen Leib. Die Inhalte der Meditationsprüche – 

sowie natürlich auch die Inhalte der „Philosophie der Freiheit“ und auch der anthroposophischen Geisteswissenschaft – 

appellieren nicht an ein Denken mit dem physischen Leib, der ja darauf ausgerichtet ist, Sinnliches im Bewusstsein zu haben. Sie fordern vielmehr dadurch, dass sie nicht-sinnliche Inhalte darstellen, dazu auf, das Denken immer mehr von einer Verbindung mit dem physischen Leib zurückzuhalten. Bei den sinnlichen Inhalten unterstützt einen im Bewusstsein also der physische Leib. Bei den nicht-sinnlichen Inhalten muss man sich aus seinem Ich heraus unterstützen und halten können. Das ist dass sich selbst tragende Denken, von dem Rudolf Steiner so oft spricht.     

Mit Blick auf diese Denktechnik ist es ausgesprochen förderlich und notwendig, wenn man sich durch ein ordnungsgemäßes Studium der Anthroposophie zu den vielen Facetten, Mosaiksteinen und Bausteinen zu einer Überwindung des intellektuellen Kopfbewusstseins – ersteinmal theoretisch-abstrakt – informiert, um dann diese Theorie in eine gar nicht theoretische, sondern lebendige, erlebte, greifbare und handhabbare Praxis umzusetzen. Dabei sind sehr viele Dinge zu entdecken, zu beachten und in den Griff zu bekommen – wovon der vorliegende Artikel nur einen kleinen Eindruck vermitteln kann.   

 

Oft weist Rudolf Steiner darauf hin, dass man im Meditationsvorgang 

alles ausschließen soll, was als Erinnerungen oder Wahrnehmungen aus der Sinneswelt stammt. 

Siehe dazu – nur zum Beispiel – hier: 

Aber wir müssen auf der anderen Seite, damit wir hinaufsteigen können in die höheren Welten, uns die andere Seite der Natur ausbilden, die darin besteht, daß wir in Feiertagsaugenblicken des Lebens die Interessen für die Außenwelt ertöten, ersterben lassen. Und wenn wir Geduld und Ausdauer, wenn wir Energie und Kraft haben, solange als es unser Karma fördert, uns zu üben in diesem Abtöten der Interessen für die Umwelt, wenn wir uns genügend darin üben, so wird zuletzt durch diese Abtötung des Interesses an der Außenwelt eine starke, energische Kraft in unserem Innern frei. Was wir auf solche Art in der Außenwelt ertöten, lebt im höheren Maße in der Innenwelt auf. Wir erfahren eine ganz neue Art des Lebens, … 

Würde einem das tatsächlich so ohne weiteres gelingen, dann würde man alles das ausschließen, was einem im gewöhnlichen alltäglichen Bewusstsein das „Ich“ – in Anführungszeichen – vermittelt. Man würde sich also selbst verlieren. Das darf nicht passieren. 

  

Wie macht man das? Nun, in dem man eben,  

wie im Zusatz zum dritten Kapitel der „Philosophie der Freiheit“ beschrieben: 

Mag es das Wesen des Denkens immerhin notwendig machen, daß dieses gewollt wird: es kommt darauf an, dass nichts gewollt wird, was, indem es sich vollzieht, vor dem «Ich» nicht restlos als seine eigene, von ihm überschaubare Tätigkeit erscheint. – 

Beziehungsweise (siehe oben): Das intuitive Denken 

ist eine Wahrnehmung, in der der Wahrnehmende selbst tätig ist, und es ist eine Selbstbetätigung, die zugleich wahrgenommen wird. 

das „Ich“ so engagiert, dass es den sinnlichkeitsfreien Meditationssatz hervorbringt und im Hervorbringen selber anschaut, das heißt hört. Nun hat man zwar keine Sinneswahrnehmung mehr, aber eine vom Ich in höchstem Engagement hervorgebrachte geistige Wahrnehmung. –

Mit Blick auf die „Philosophie der Freiheit“ hat man diese Wahrnehmung erstmal „nur“ in rein gedanklicher, rein philosophischer Ideenform. Mit Blick auf das meditative Hören des Meditationssatzes so, dass dieser einem nun nicht mehr abstrakt erscheint, sondern plastisches inneres Erlebnis wird. – 

Das Ich ist dann nicht ausgelöscht und verloren gegangen, sondern ersteht nun stufenweise in einer ganz neuen Art.       

Wenn man die Zeilen in diesem Zusatz zum dritten Kapitel der „Philosophie der Freiheit“ –

Mag es das Wesen des Denkens immerhin notwendig machen, daß dieses gewollt wird: es kommt darauf an, dass nichts gewollt wird, was, indem es sich vollzieht, vor dem «Ich» nicht restlos als seine eigene, von ihm überschaubare Tätigkeit erscheint. – 

in der richtigen Weise liest und versteht, dann hat man daran einen Kompass, der einem hilft, diese „theoretisch“ erscheinenden Sätze auch in eine geistige, meditative Praxis umzusetzen. 

 

Weiß man diese Dinge nicht, weil man sich eben nicht einem anthroposophischen Studium unterziehen will – 

denn das ist anstrengend, und man möchte vielleicht doch ganz gerne möglichst schnell und mühelos in die übersinnliche Welt kommen – alles so schön bunt hier – 

dann wird man im besten Falle niemals in diese übersinnliche Welt kommen – und im schlimmsten Falle sich darin verlieren, also in der einen oder anderen Weise verrückt werden.      

Man muss darauf kommen, was es heißt, einen Gedanken nicht mit dem Kopf zu denken, sondern unter sich sukzessive steigerndem Ausschluss der Sinneswelt –

das geht ja alles nicht von jetzt auf gleich – 

so willentlich hervorzubringen, dass man ihn im Hervorbringen gleichzeitig anschaut – beziehungsweise hört. Man muss darauf kommen, im Anwenden zu entdecken, was es heißt, das zuerst bloß durch den Denkprozess des Kopfes –

des physischen Leibes, des Gehirns, des Nervensystems, des Astralleibes, wie immer man das nennen will –

hervorgebrachten Bewusstsein immer mehr zu flankieren und schließlich zu ersetzen durch den Willensprozess des unteren, also des ganzen Menschen, von dem Rudolf Steiner in diesen Zusammenhängen so oft spricht. Nur dieser richtig ergriffene Willensprozess verhindert, dass das Nervensystem unter der gesteigerten Anstrengung nur des intellektuellen Kopfes langsam zerkrümelt. Der neue übersinnliche, wirkliche Denkprozess wird so auf eine gesunde Weise geistig durchblutet. – 

Diese gesundende Durchblutung geschieht aber auch schon, wenn man sich hinsetzt und versucht, ein schweres Buch – also zum Beispiel die „Philosophie der Freiheit“ – zu lesen:  

Wenn man sich hinsetzen muß und irgendwie ein schweres Buch liest, da wird das Blut angeregt. Sobald man sich anstrengen muß, um etwas zu verstehen, wird das Blut angeregt. Aber das wollen ja die Leute heute nicht mehr. Die wollen nicht sich anstrengen, um etwas zu verstehen. Das ist etwas, was den Leuten ganz zuwider ist. Sie wollen nichts verstehen! Und dadurch, wenn sie nichts verstehen wollen, wird ihr Blut dick gemacht. Das dicke Blut geht dann langsamer, und die Folge davon ist, daß sie fortwährend ein Mittel brauchen, um dieses tatsächlich immer dicker werdende Blut in Gang zu bringen.

 

Diese ganze Angelegenheit eines wirklichen Denkvorganges, 

den Rudolf Steiner in der „Philosophie der Freiheit“ zuerst einmal rein philosophisch, rein gedanklich beschreibt – 

und der von der Denktechnik her gleichbedeutend ist mit einem wirklichen Meditationsvorgang – 

liegt den Menschen aus ihren Denkgewohnheiten heraus – damals wie heute – so ferne, dass es ausgesprochen schwierig ist, ihnen eine Vorstellung davon zu vermitteln. Man kann an nichts anknüpfen, das die Menschen schon erlebt haben. Und deren Gemütsverfassungen sind in der heutigen Zeit überhaupt nicht als gesund zur Aufnahme geistiger Wahrheiten zu bezeichnen:  

Dieser zuweilen in den Grundinstinkten von der Wahrheit abirrenden Gegenwart wird es außerordentlich schwer werden, gerade diejenigen Wahrheiten aufzunehmen, welche das unmittelbar an den physischen Plan anstoßende Grenzgebiet berühren. Denn was da als das an den physischen Plan unmittelbar anstoßende Grenzgebiet gelten muß, das erfordert, daß man bei der Charakteristik in einer gewissen Weise an eine gesunde, an eine unverdorbene Gemütsverfassung derjenigen appellieren muß, die darüber hören. Und das wird gegenüber der Verkündigung derjenigen Wahrheiten, die notwendigerweise verkündet werden müssen, die allergrößten, die denkbar größten Schwierigkeiten machen. Nicht etwa bloß das Anschauen dieser Wahrheiten, sondern schon das Sich-Bekanntmachen mit diesen Wahrheiten hat eine Bedeutung für die ganze Seelenverfassung des Menschen.

Was man an äußerem Wissen über den physischen Plan aufnimmt, das hat eine gewisse Wirkung, sagen wir auf den menschlichen Kopf. Aber diejenigen Wahrheiten, die in die Tiefe gehen – auch wenn sie nur bis zu jener Tiefe gehen, wo sie das Grenzgebiet betreffen – diese Wahrheiten berühren den ganzen Menschen, nicht bloß den Kopf, sondern den ganzen Menschen. Und man muß dann für die Verkündigung solcher Wahrheiten rechnen auf ein unverdorbenes, gesundes Gemüt.

Nun, für viele Lebensverhältnisse ist aber ein unverdorbenes, gesundes Gemüt in der Gegenwart gar nicht so sehr verbreitet. Im Gegenteil, ein ungesundes, verdorbenes Gemüt ist heute durchaus keine Seltenheit. 

Zwischen all den Worten, mit denen man also versucht, diese Dinge zu erklären und dem dann eventuell glücklich daraus resultierenden Erlebnis klafft eine Art Abgrund, der nur durch die intuitive Umsetzungfähigkeit dieser theoretischen Beschreibungen des diese Dinge Aufnehmenden überwunden werden kann. Man kann immer nur Richtungen angeben, Hinweise, Winke, die der Leser aus sich heraus und in sich umsetzen muss. Das widerspricht völlig den heutigen Verständnisgewohnheiten des gewöhnlichen Bewusstseins des Kopfes, die auch mit Blick auf diese übersinnlichen Angelegenheiten erwarten, dass das, was sie als „Info“ durch die Augen passiv aufnehmen, sofort verstanden und in die Praxis umgesetzt werden kann.   

  

Wie also kann man merken, dass man bei dem Bilden dieser Meditationssätze

nicht mehr im gewöhnlichen Bewusstsein drinnen ist? Wie merkt man, dass man zum Beispiel eine Meditation nicht mehr so passiv in sich ablaufen lässt mit den Erinnerungskräften des Kopfes? Zum Beispiel indem man merkt, dass das Bilden dieser Meditationssätze jetzt wirklich Arbeit wird wie das von Rudolf Steiner erwähnte Holzhacken:  

Es ist schon ein gründliches Umlernen mit Bezug auf allerwichtigste Dinge der modernen Menschheit notwendig. Weil aber diese moderne Menschheit insbesondere in der Zeit, von der ich gestern sprach, 1200 anfangend, mit dem Goetheanismus schließend, solche wie Regenwürmer durch das Gehirn ziehende Gedanken in sich aufnahm und das nicht bemerkte, geschah es, daß jene Lässigkeit, jene Passivität des Denkens eintrat, die eine charakteristische Erscheinung der neueren Zeit ist. Diese charakteristische Erscheinung der neueren Zeit ist ja das Nichtvorhandensein des Willens im Element des Denkens. Die Menschen lassen ihre Gedanken über sich kommen, sie geben sich ihnen hin, sie haben die Gedanken am liebsten als Instinkt. Auf diese Weise kann man niemals zum Geiste dringen. Man kann nur zum Geiste dringen, wenn man wahrhaft objektiv den Willen in das Denken hineinlegt, so daß das Denken eine Handlung wird wie irgendeine andere Handlung, wie Holzhacken. Haben denn die modernen Menschen wirklich das Gefühl, daß man beim Denken ermüdet? Das haben sie nicht, weil das Denken für sie keine Tätigkeit ist. Die modernen Menschen haben das Gefühl, daß man beim Holzhacken ermüdet. Daß aber für den, der nicht mit Worten, sondern mit Gedanken denkt, ebenso nach kürzerer Zeit als beim Holzhacken jene Ermüdung kommt, die ganz genau ebenso ist wie beim Holzhacken, daß man nicht weiter kann, das haben die modernen Menschen nicht, das erleben die modernen Menschen nicht.

Bei einem solchen wirklichen Denkvorgang – 

immer wieder verwendet Rudolf Steiner hier das Wort Holzhacken – an anderer Stelle spricht er von einer „Drescherarbeit“ –

ermüdet man, so dass man nach einer Weile nicht mehr kann, weil einem bei diesem Denken die Kräfte schwinden, weil man diese noch nicht hat, weil man sich diese Kräfte erst durch fortgesetzte Übung der Meditation aneignen, antrainieren muss. Wenn man also diese Erschöpfung spürt, dann weiß man, dass man auf dem richtigen Weg ist.        

 

Man ahnt ja gar nicht, welche ungeheueren inneren Widerstände zu überwinden sind 

auf dem Weg zu einer gelungenen Meditation – oder einem wirklichen lebendigen Verständnis der „Philosophie der Freiheit“ oder der Anthroposophie. –

Siehe dazu auch den vorigen Artikel: 

Woran liegt es, daß der Esoteriker, auch wenn er sich jahrelang in Konzentration und Meditation geübt hat, noch immer nicht zu einem Sehen in den höheren Welten gelangt ist?

Sowie dort auch die Ausführungen zu einem Denken wie Holzhacken und Dreschen. –

Aber auch so kann man merken, dass man sich innerlich auf eine neue Denkaktivität zubewegt, indem man innerlich beobachten kann, wie gerne man aus dieser Anstrengung dieser ungewohnten Anstrengung des Denkens, die wie Holzhacken ist, herauskommen möchte und wieder in das gewöhnliche, passive Bewusstsein des Kopfes verfallen, zurücksinken möchte, das einem die Objekte des Denkens aus der Sinneswelt darbietet und unterschiebt, so dass man sich denkend wie in einen Sessel da gemütlich hineinplumpsen lassen kann. Das ist eben das, was Rudolf Steiner beschreibt, dass das Ich des Menschen ein Baby ist, das schreit, und die Mutter streichelt das Gesichtchen, bietet damit dem Baby Sinneswahrnehmungen, bei denen es sich das Baby wieder beruhigen kann. 

Um genau so ein Baby handelt es sich bei dem schwachen „Ich“ des Meditanten, das gar nicht gewöhnt ist, sich aktiv im reinen Denken zu bewegen, und dass die Qual scheut, einen Gedanken zuerst einmal selber hervorzubringen, um ihn dann auch anzuschauen, und das wie ein Ertrinkender schreit und strampelt und nach allen möglichen Rettungsringen aus der sinnlichen Welt greift, an denen es sich festhalten kann. Man möchte dann gerne, statt zu meditieren – oder die „Philosophie der Freiheit“ oder überhaupt Anthroposophie zu studieren – gerne die Zeitung lesen, die Nachrichten im Internet checken, dann sind vielleicht noch neue Mails angekommen und so weiter und so fort. 

     

Hat Ihnen dieser Artikel etwas gegeben? Dann geben Sie doch etwas zurück! – Unterstützen Sie meine Arbeit im Umkreis-Institut durch eine

Spende! 

Das geht sehr einfach über eine Überweisung oder über PayPal.

Sollte Ihnen aber Ihre Suchmaschine diesen Artikel nur zufällig auf den Monitor geworfen haben, Sie das alles sowieso nur für (elektronisches) Papier beziehungsweise nur für Worte – also für Pille-Palle – halten, dann gibt es 

hier 

einen angenehmen und lustigen Ausgang für Sie.

Falls Ihnen dieser Artikel jedoch unverständlich, unangebracht, spinnig oder sogar „esoterisch“ vorkommt, gibt es vorerst wohl nur eines: 

Don‘t touch that!