Das Getöse der Welt muss für die Meditation überwunden werden

von Ingo Hagel

Rudolf Steiner hat oft darauf hingewiesen – 

und ich habe hier auf dieser Seite oft darüber geschrieben – 

dass dieses Denken an den Dingen der Sinneswelt entlang für eine Suche nach dem realen Geist durch Meditation nicht zu gebrauchen ist, dass es allerdings ein ausgezeichnetes Erziehungsmittel für das Denken selber und die Grundlage für die Freiheit darstellt. Für das reale Erkennen geistiger Zusammenhänge, also für die geistige Forschung, muss dieses Denken an der Sinneswelt entlang allerdings aufgegeben werden. Da der Mensch heute aber in einer ungeheueren Weise in diesem Sinnes-Denken – das aber kein Denken ist – verhaftet ist, sagt sich das allerdings viel leichter, als es sich realisieren lässt.  

 

Die östlichen geistigen Richtungen schätzen das Denken überhaupt nicht 

und wollen es daher aufgeben – 

„no-mind“ – beziehungsweise „the mind is not the way“ ist dort die Devise –

um über ein Nicht-Denken zur Erleuchtung zu kommen. Da viele Menschen heute eine unbestimmte spirituelle Sehnsucht in sich tragen, aber nicht denken wollen – 

Rudolf Steiner spricht im Zusammenhang mit dieser „Erkenntnisaufgabe„, die auch eine „soziale Aufgabe“ darstellt, davon, dass diese „im weitesten Umfang in der Gegenwart gehasst wird.“ Und das ist bis heute so geblieben – 

schließen sich diese Menschen oft – 

mehr oder weniger direkt beziehungsweise mehr oder weniger unbewusst – 

an östliche Meditationspraktiken an, indem sie ohne Denken zum Geist kommen wollen. –

Wobei die östlichen Esoteriker ja insofern Recht haben, als dasss man mit dem Denken des Kopfes, des Intellektes niemals in die reale geistige Welt kommt – Rudolf Steiner hat darauf oft hingewiesen. Denken muss eben etwas völlig anderes werden, als was der Mensch so gemein darunter versteht. –   

Rudolf Steiner hat seine geisteswissenschaftliche Forschungsmethode daher bereits damals immer wieder gegen eine falsch verstandene Mystik, die nicht denken will, sondern zum Beispiel durch das Fühlen in die geistige Welt kommen will, abgegrenzt. Bereits in der „Philosophie der Freiheit“ weist er darauf hin (GA 4 S. 139): 

Die hiermit gekennzeichnete Richtung, die Philosophie des Gefühls, wird oft als Mystik bezeichnet. Der Irrtum einer bloß auf das Gefühl gebauten mystischen Anschauungsweise besteht darinnen, daß sie erleben will, was sie wissen soll, daß sie ein Individuelles, das Gefühl, zu einem Universellen erziehen will.

 

Rudolf Steiner ermahnte daher auch die jungen Zuhörer im sogenannten „pädagogischen Jugendkurs“, 

das Denken nicht zu verachten. Der Geist muss auf dem Wege eines aktiven, willenshaften Denkens gesucht werden (GA 217 S. 126):    

Viele von Ihnen haben das Denken verachten gelernt, weil es Ihnen nur als passives Denken entgegengetreten ist. Das gilt aber nur vom Kopfdenken, bei dem das Herz des Menschen nicht dabei ist. Aber versuchen Sie es einmal mit einem aktiven Denken, dann werden Sie sehen, wie dabei das Herz engagiert wird. Am intensivsten kommt der Mensch unserer Epoche in die geistige Welt hinein, wenn es ihm gelingt, das aktive Denken zu entwickeln. Denn durch das aktive Denken kommen wir dazu, in den Gedanken wiederum herzhafte Kräfte zu haben. 

Wenn Sie nicht den Geist auf dem Gedankenwege suchen, der herzhaft gegangen werden muß, obwohl das schwer ist, wenn Sie nicht auf diesem Wege das Geistesleben suchen, das von Urbeginn durch die Menschheit geflossen ist, so sind Sie wie der Säugling, der glaubt, sich aus sich selbst heraus ernähren zu können und nicht aus der Mutterbrust. Nur dann kommen Sie zu einer inhaltsvollen Bewegung, wenn Sie das Geheimnis finden, eine solche Aktivität in Ihrem Inneren zu entwickeln, daß sie Sie saugen läßt aus dem Weltendasein wiederum wirkliche Geistesnahrung, wirklichen geistigen Trank. Das aber ist zunächst ein Willensproblem, ein gefühlsmäßig zu erlebendes Willensproblem. Ungeheuer viel hängt heute ab von dem guten Willen, von dem energischen Willen, und kein Theoretisches wird dasjenige lösen, was wir heute suchen, sondern einzig und allein der mutige Wille, der starke Wille wird die Lösung bringen.

Immer wieder spricht Rudolf Steiner darüber, dass mit Blick auf diese Suche nach dem „Geist auf dem Gedankenwege“ – 

beziehungsweise auf ein Erlangen übersinnlicher Erkenntnisse – 

die Eindrücke der Sinneswelt sowie alle Erinnerungen an dieselbe für die Dauer der Meditation auszulöschen sind. 

 

Aber nicht nur diese, sondern auch die Begriffe, 

die sich der Menschen unserer heutigen naturwissenschaftlichen Zeit für sein Leben und seinen Beruf erwerben muss –

Rudolf Steiner nennt diese Begriffe an anderer Stelle (GA 204 S. 251) „diese furchtbaren Folterbegriffe von menschlicher Physiologie, Biologie, von Pflanzensystemen und so weiter, …

stellen ein „Getöse“ dar, das für eine erfolgreiche Meditation – 

bei der nicht das Gedachte, sondern die eigene Denktätigkeit wahrgenommen werden soll – 

überwunden werden muss: 

Wenn wir heute die äußere Naturwissenschaft lernen, wenn wir da alle die Begriffe aufnehmen, die in der äußeren Evolutionslehre dem Menschen gebracht werden, dann ist das im Grunde genommen ein Denkgetöse, ein Denklärm. Und dieser Denklärm, dem sich der heutige Mensch, insbesondere auch wenn er Wissenschafter ist, hingibt, stört ihm die feinere Wahrnehmung der inneren Denktätigkeit. Daher verschläft er auch die innere Denktätigkeit. 

 

Warum gebraucht Rudolf Steiner diese drastischen Ausdrücke eines „Denkgetöses, eines Denklärms“? 

Können wir das überhaupt nachempfinden, dass diese Sinneswelt ein „Getöse“ darstellt – oder fühlen wir uns nicht eigentlich sehr gemütlich und geborgen in diesem sinnlichen „Getöse der Welt“? Verlangen wir nicht gar sehr nach diesem „Getöse der Welt“, das uns eine angenehme Garantie und Unterlage für unser Sein liefert. Kann einen nicht ein ziemlich mulmiges Gefühl beschleichen, wenn man sich vorstellt, sich in einem anzustrebenden Bewusstseinszustand (Meditation) aus diesem Sicherheit und Selbstbewusstsein vermittelnden Zustand dieses „Getöses der Welt“ –

also des gewöhnlichen Alltagsbewusstseins – 

völlig herauszulösen, um der realen geistigen Welt teilhaftig zu werden? 

 

Das, was in der Meditation angestrebt wird, ist eben das Gegenteil von „Denkgetöse“ und „Getöse der Welt“, 

weil es eine völlige Stille ist – aber eine Ich-wache Stille – in der zwar die Außenwelt völlig verstummen soll, dafür aber eine neue Innenwelt erstehen soll. Rudolf Steiners drastische Ausdrücke können einen darauf hinweisen, was man in sich herstellen muss, um dem nahezukommen, was er da beschreibt. Diese drastischen, aber plastischen Ausdrücke sollten die damaligen Zuhörer nicht unterhalten, sondern sie auf etwas aufmerksam machen, auf das der heutige Mensch allerdings nicht gerne aufmerksam gemacht wird, auch wenn er sich noch so sehr für Meditation, Esoterik und übersinnliche Welten interessieren mag. Rudolf Steiner schildert dieses Dilemma einer großen Illusion zum Beispiel in dieser Notiz – 

es handelt sich also nicht unbedingt um eine genaue stenografische Nachschrift – 

eines Teilnehmers einer der damaligen esoterischen Stunden mit Rudolf Steiner:    

Woran liegt es, daß der Esoteriker, auch wenn er sich jahrelang in Konzentration und Meditation geübt hat, noch immer nicht zu einem Sehen in den höheren Welten gelangt ist? Um diese Frage deutlich zu beantworten, wollen wir uns einmal vorstellen, was eigentlich meditieren ist. Wenn wir meditieren wollen, haben wir den Willen, uns von den äußeren Dingen abzuwenden, wir wünschen, daß sie keinen Einfluß mehr auf unsere Gedanken ausüben sollen, sie sollen uns nicht stören in unserer Hingabe an das Geistige. Doch fortwährend schieben sich die äußeren Ereignisse und die Gedanken darüber vor unsere meditierende Seele, sie wollen uns von unserer Meditation abwenden, sie wehren sich gegen unsere Hingabe, so daß wir mit unserer äußersten Willenskraft dagegen kämpfen müssen. Wollen wir untersuchen, wer nun eigentlich gegen unseren besseren Willen sich wehrt, kann das folgende Beispiel uns vielleicht einige Klarheit geben. Nehmen wir an, daß ein Fremder sich uns näherte und zu uns sagen würde: «Sie sind ein flatterhafter Mensch.» In neunundneunzig von hundert Fällen würden wir darüber sehr verstört sein, denn wir hatten bis jetzt gemeint, ein sehr guter Esoteriker zu sein, der sein eigenes Innere, was seine Fehler anbelangt, ernsthaft durchsucht hat, und nun kommt ein Fremder und behauptet das Gegenteil.

Und (GA 266c S. 213):

An einem Beispiel soll versucht werden, dies deutlich zu machen. Wodurch beruhigt eine Mutter ihr weinendes Kind? Dadurch, daß sie es liebkost und sein Gesichtchen streichelt, was auf jeden Fall ein angenehmes körperliches Gewahrwerden bei dem Kinde hervorruft. Nun müssen wir wissen, wodurch Ahriman und Luzifer sich dem Menschen offenbaren und beliebt machen, nämlich weil sie uns mit den Dingen der Welt um uns herum in Berührung bringen, der Welt, in der wir unseren Genuss suchen und dessen Befriedigung uns so angenehm ist. Durch die Lichtstrahlen, die sie auf die Objekte fallen lassen und die dann wiederum von den Dingen auf uns zurückstrahlen, durch diese Strahlberührung fühlen wir einen eben angenehmen Reiz, so wie das weinende Kind gefühlt hat bei der liebkosenden Berührung der Mutter. …

So stark ist der Mensch eben verbunden und konstitutionell hingeneigt zu einer Auffassung mit den Sinnen. Das wird auch in den Bemühungen zur Meditation nicht so einfach überwunden werden können. Aber man muss diese Dinge eben wissen, um sie überhaupt überwinden zu können. Besonders in unserer heutigen Zeit, die noch viel mehr als vor 120 Jahren stramm in die Sinneswahrnehmung eingeschult, eingestellt, eingestielt, eingenordet ist. Die Tatsache, dass man meditieren will, heißt noch lange nicht, dass man diese Hinneigung zu der ahrimanischen Auffassung der Welt überwunden hat. Auch die Meditationsinhalte selber sind keine Garantie dafür, dass man sie nicht dauernd mit der ahrimanischen Seite seines Wesens angeht.       

 

Dieser Zusammenhang kann dem Meditierenden schon sehr zu denken geben 

über dessen innere leiblich-geistig-seelische Konfiguriererung und Hingezogenheit nach dem Sinnlichen. Der Mensch hängt eben sehr gewaltig an diesen „angenehmen Reizen“ der sinnlichen Eindrücke, die ihn beruhigen, wie die sinnlichen Liebkosungen der Mutter den schreienden Säugling beruhigen.   

Und so wie Rudolf Steiner beschreibt, dass der Mensch das „Denkgetöse“ seiner modernen naturwissenschaftlichen Begriffe für eine gelungene Meditation überwinden muss, so muss er eben auch diese sinnlichen „angenehmen Reize“ der Sinneswahrnehmungen beziehungsweise der Erinnerungen daran loslassen können. Es wird also nicht so einfach sein, sich in der Meditation aus dieser Sehnsucht und Hingezogenheit zur Sinneswelt lösen zu können. Aber wie macht man das? 

 

Dazu gibt Rudolf Steiner dann im nächsten Vortrag die Rot-Grün-Übung:   

Sie können immer mehr und mehr solche Übungen machen, insbesondere auch kompliziertere Übungen. …  

Und Steiner sagt:   

Solche Übungen verlangen vom Menschen, daß er gewissermaßen sich mit seinem ganzen Wesen in die Denktätigkeit hineinversetzt, daß er sich hingibt mit aller inneren Gewalt dem Denken, und daß ihm bei diesem Denken dann gleichgültig ist, was die äußeren Sinne ihm überliefern, daß er also ganz bewußt nur in der Denktätigkeit lebt.

Ja! „Mit aller inneren Gewalt“ muss man sich dem Denken hingeben. Aber bitte nicht dem Denken des Kopfes! Das muss immer wieder gesagt werden. Sonst landet man bei der Verachtung des Denkens und der Auffassung, dass das, was Rudolf Steiner sagt, „alles sowieso nicht geht“. 

Es muss also ein solches Denken geben, das man tatsächlich „mit aller inneren Gewalt“ vollziehen darf. Das gewöhnliche Kopfdenken darf man natürlich nicht „mit aller inneren Gewalt“ bei der Meditation betreiben. Aber etwas muss es geben, das Sinn macht, so intensiv meditativ gedacht zu werden, dass dieser Ausdruck „mit aller inneren Gewalt“ zu denken eine Berechtigung hat. Aber eben nicht mit dem Kopf.

Auch wenn man am Anfang nur diesen Kopf hat, mit dem man – gegebenenfalls – an diese Übungen herangeht. Man sollte aber die Richtung am Horizont kennen, die diese ganzen Übungen einschlagen sollen. Und diese Richtung muss man aus den verschiedensten Darstellungen Rudolf Steiners zum Vorgang eines wirklichen Denkens selber experimentierend herausfinden und realisieren. Meditation ist eben ein Seelenexperiment.    

 

Rudolf Steiner spricht in der „Philosophie der Freiheit“ von einem „Seelengebiet“, das gefunden werden muss, 

wenn die Frage nach der Freiheit des menschlichen Willens beantwortet werden soll (GA 4 S. 7). Man befindet sich denkend also auf hoher See und hält Ausschau nach einem neuen Kontinent. 

Dieses „Seelengebiet“ kann einem allerdings weder in der „Philosophie der Freiheit“, noch mit Blick auf die Meditation abstrakt-theoretisch, mit intellektuellen Gedanken – 

sozusagen als esoterisches Takeaway – 

mitgeteilt und mitgegeben werden, sondern jeder Mensch, der sich im Sinne der „Philosophie der Freiheit“ zu diesen Fragen stellen will, muss dieses „Seelengebiet“ für sich selber finden. Auch das gehört zu dem Seelenexperiment der Meditation beziehungsweise der „Philosophie der Freiheit“.   

Dieses „Seelengebiet“ liegt aber nicht im Bereich des Kopfes –

Weil durch Nachdenken der Mensch die Gedanken fabriziert, die im Kopfe walten.  (GA 177 S. 105)

sondern kann nur gefunden werden, indem der Mensch ein Bewusstsein erlangt von seinem ganzen Menschen, das heißt von seiner Willensorganisation. Dazu muss aber das Denken sich den real-geistigen, kosmischen Gegebenheiten annähern, angleichen können, das heißt es muss als reines, sinnlichkeitfreies Denken Wille werden. –

Man studiere dazu auch den sechsten Vortrag in der GA 177, der beschreibt, warum man durch die Gedanken der Kopf-Organisations niemals den realen Geist erfassen kann. –    

Wie aber mag so ein Denken aussehen – und wie kommt man dazu? 

 

Rudolf Steiner spricht im Zusammenhang damit von dem Blitz des Willens, der in dieses Denken hineinfahren muss:

In dem, was ich anthroposophische Geisteswissenschaft nenne, schon in meinem Vorwort zu der «Philosophie der Freiheit», tritt Ihnen etwas entgegen, was Sie nicht erfassen können, wenn Sie sich nur jenem passiven Denken hingeben, das man heute besonders liebt, jenem gottverlassenen Denken, dem sich die meisten Menschen hingeben, und das schon im vorigen Leben gottverlassen war; sondern Sie können es nur erfassen, wenn Sie in Freiheit den inneren Impuls entwickeln, Aktivität in das Denken hineinzubringen. Sie kommen eben mit demjenigen, was in der Geisteswissenschaft lebt, nicht mit, wenn nicht jener Funke, jener Blitz hineinschlägt, durch den das Denken voller Aktivität wird. Durch diese Aktivität müssen wir uns auch wieder die Göttlichkeit des Denkens erobern. 

Und: 

Das ist dann der Geist, der erst wirklich erzieherisch wiederum in unser totes Kulturleben hereinschlagen kann. Das muß der Blitz werden, der in unser totes Kulturleben hereinschlagen muß, um es wiederum zum Leben zu entzünden.  (GA 217 S. 53) 

Und:

Da muß der Blitz des Willens unmittelbar in das Denken selber einschlagen. Da muß der Blitz des Willens aber auch aus der ganz singulären menschlichen Individualität herauskommen. Und da mußte man schon einmal den Mut haben, an dieses reine Denken zu appellieren, das auch zum reinen Willen wird.    

 

Man kann ja mit Blick auf diese verschiedenen Ausführungen einmal der Frage nachgehen, 

wie denn ein solches Denken, in das der Blitz des Willens gefahren ist – 

und das nun ein real-geistiges, kosmisch-hierarchisch-inspiriertes Denken werden soll – 

aussehen mag. Das ist ganz bestimmt nicht jenes angestrengt-erstarrte Denken, das man mit einiger diesbezüglichen Wahrnehmungsfähigkeit als oben im Kopf lokalisiert erleben kann, und bei dem man sich durchaus fühlen kann wie eine ausgegepresste Zitrone – 

ein Ausdruck den Rudolf Steiner manchmal mit Blick auf die geistige Aussichtslosigkeit eines intellektuellen Strebens verwendet – siehe zum Beispiel hier und hier  

sondern das ist ein Denken, das – aber als reines, sinnlichkeitfreies Denken – den unteren Menschen ergreift beziehungsweise engagiert. Alle Anstrengungen, die man beim Denken unternimmt, dürfen also nicht oben im Kopf sich abzuspielen, sondern sollten eine ganz andere, lebendigere Nuance bekommen. 

Oder siehe hier: Man muss sich einen Ruck geben, wie beim Bewegen seiner Glieder, um die innere Denkkraft zu spüren – was eine etwas sanftere Version der Darstellung dieses Denkimpulses ist als mit Blick auf den Blitz des Willens, der in das Denken fahren soll:  

Wenn Sie Ihren Arm gebrauchen, das spüren Sie. Nun müssen Sie spüren lernen, was es heißt: die Gedankenkräfte gebrauchen. Wenn Sie Ihre Arme gebrauchen und spüren, so erleben Sie Ihren physischen Leib. Wenn Sie anfangen, in dieser Weise Ihre Gedanken zu gebrauchen, so spüren Sie Ihren zweiten Menschen, Ihren Ätherleib, Ihren Bildekräfteleib. Sobald Sie wirklich das so weit gebracht haben, daß Sie sich nur einen Ruck zu geben brauchen, um überzugehen vom Armbewegungen-Spüren, Beinbewegungen-Spüren zum Spüren der inneren Denkkräfte, in diesem Augenblicke erleben Sie Ihren zweiten Menschen, Ihren Äthermenschen, Ihren Bildekräftemenschen. Aber Sie erleben ihn so, daß er eigentlich ganz aus Gedanken gewoben ist. Und in diesem Augenblick wird Ihnen zugleich Ihr ganzes Erdenleben wie gegenwärtig. Wie in einer einzigen Überschau sehen Sie Ihr ganzes Erdenleben zurück bis in die erste Kindheit hinein.

 

Und auch hier in der GA 225 gibt es noch einmal diesen Hinweis auf das Denken als einen „Ruck in seinen Inneres“:     

Es bedarf noch nicht viel hellseherischer Kraft, um gewahr zu werden, wie im Menschen diese schaffende Kraft des Denkens als Wachstumskraft, als Bildekraft überhaupt wirkt. Man braucht nur, ich möchte sagen, den Ruck in sein Inneres zu machen, um sich bewußt zu werden, daß das Denken nicht bloß schattenhaftes Abbild der Außenwelt, sondern eine innere Tätigkeit ist. Man braucht sozusagen nur den Ruck zurückzumachen aus dem Hingewendetsein an die Außenwelt in das, was man innerlich tut, was man denkt, dann wird man dieser Aktivität des Denkens gewahr. In diesem Erfassen der Aktivität des Denkens erfassen wir nun zunächst dasjenige, was menschliche Freiheit ist, und das Verstehen der Freiheit ist einerlei mit dem Erfassen dieser Aktivität des Denkens. Daher erfaßt man auch, indem man in dieser Weise die Aktivität des Denkens erfaßt, die Moralität, die den Menschen durchdringt und durchwellt und durchwebt.  (GA 225 S. 172)

Es kommt also darauf an, in seinem Bewusstsein nicht das Denken, aber dieses denkende

Hingewendetsein an die Außenwelt   

zu überwinden. Aber das ist natürlich wieder mal eine dieser Anweisungen, die als Worte sehr schnell gelesen sind, die aber sehr lange dauern, um sie in die Praxis umzusetzen.    

 

Die Sache mit dem Blitz des Willens beziehungsweise mit diesem inneren Denk-Ruck 

kann einen auch an Rudolf Steiners Ausführungen zum Holzhacken und zum Dreschen erinnern:  

Man kann nur zum Geiste dringen, wenn man wahrhaft objektiv den Willen in das Denken hineinlegt, so daß das Denken eine Handlung wird wie irgendeine andere Handlung, wie Holzhacken. 

Und hier sagt Steiner:

Es gibt eigentlich für das Eindringen in die geistige Welt nichts Günstigeres, als wenn es einem immer schwerer und schwerer wird, Gedanken zu fassen, und eigentlich wäre der am glücklichsten im Fortschreiten in der Geisteswissenschaft, der gar nicht mehr den Maßstab des leichten Denkens anwenden könnte, den man sonst im Leben gewohnt ist, sondern der sich sagen würde: Das ist aber eigentlich eine Drescherarbeit, dieses Denken; man muß sich anstrengen, wie wenn man mit dem Dreschflegel schlagen würde! Ich kann ein solches Gefühl nur andeuten, aber es kann sich bilden. Es ist gut, es ist günstig, wenn es so wird.

  

Dass das Erlernen dieses wirklichen Denkens – auch für eine Meditation – so schwer ist 

und „einem immer schwerer und schwerer wird„, ist auch ein Schutz gegen ein zu frühes Erleben der geistigen Welt. Das „Ich“ muss in einer genügenden Weise vorbereitet und im Denken gekräftigt sein, um diese reale geistige Welt aushalten zu können, sonst wird einem der Boden unter den Füßen weggezogen – denn das wird er schon. In diesem Moment muss man sich trotzdem halten können in diesem so schwer zu erlernenden reinen Denken, das nichts Sinnliches mehr bietet, an das man sich halten kann, und das nur durch den eigenen Denkwillen im Sinne eines Holzhacken oder eines Dreschens mit dem Dreschflegel aufrechterhalten werden kann.    

Wie gesagt: Man wird experimentieren müssen. Meditation oder das Erlernen des wirklichen Denkens ist eben ein Seelenexperiment. Und zu einem sinnvollen Experimentieren wird man sich vorher die entsprechenden Vorstellungen zu diesem Gebiet studieren und sich erarbeiten müssen. 

Die meisten Menschen werden sagen: Wenn wir nicht selber hellsichtig geworden sind, so können wir das höchstens studieren. – Gut, aber man kann es studieren, und immer wieder und wiederum ist gesagt worden, der gewöhnliche Intellekt kann es einsehen. 

Auf diese Weise wird man schon über die jahre- und jahrzehntelangen Misserfolge beim Erlernen der Meditation beziehungsweise eines wirklichen Denkens hinwegkommen können.   

  

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